Kulturmitte – Weihnachtsplätzchen… oder doch Kekse?

21 12 2016

Jetzt, wo Weihnachten bzw. Heilig Abend immer näher rückt, stellt sich die Frage: Haben Sie schon Kekse und/ oder Plätzchen gebacken?

Falls nein: hier kommen meine drei Lieblingsrezepte, zwei davon sind sogar leicht als vegane Variante umzusetzen.

Falls ja: egal, diese Kekse oder Plätzchen sind so lecker und schnell gemacht, die kann man auch jetzt noch backen.

Doch was ist denn nun der Unterschied zwischen Keksen und Plätzchen? Gibt es da überhaupt einen?

Ja es gibt einen!

Plätzchen:

In der Vergangenheit aßen Adlige gerne kleines Gebäck zu Kaffee und Tee. Diese Gebäckstücke wurden überwiegend zu Weihnachten hergestellt und mit Konfitüre, Schokolade, Marzipan und/ oder Nüssen verfeinert, sodass sie nicht sehr nahrhaft, wohl aber sehr zuckerhaltig waren. Dies waren und sind Plätzchen. Das Wort geht auf lateinisch „Plazenta“, was so viel wie „Kuchen“ bedeutet, zurück.

Auch heute wird süßes Hefebrot noch „Platz“ genannt. Und das süße Gebäck ist ein kleines Platz: Plätzchen.

Kekse:

Kekse sind aus Großbritannien zu uns auf das Festland gekommen. Wenn britische Reisende unterwegs waren, hatten sie eine bestimmte Sorte „Schiffszwieback“ dabei, sogenannter „English cake“. Dieser war sehr nahrhaft und lange haltbar. Im 19. Jahrhundert wurden die „English cakes“ von einem deutschen Kaufmann hergestellt und „English cake“ wurde „eingedeutscht“, es entstand der Keks.

Plätzchen sind also zuckrig und raffiniert, Kekse sind weniger süß und einfacher gehalten.

(Quelle: http://www.wdr.de/tv/wissenmachtah/bibliothek/kekse.php5)

Nun also zu den eigentlich Rezepten (für Weihnachtsplätzchen):

Zimttaler (vegan möglich):

Zutaten:

Für den Teig

250g Mehl

85g Zucker

1 Päckchen Vanille Zucker

175g Butter oder Margarine (falls vegan erwünscht)

Für das „Wälzen“

1 TL Zucker

½ TL Zimt

Alle Zutaten für den Teig zu einem glatten Teig verarbeiten und daraus zwei Rollen mit einem Durchmesser von etwa 3cm bis 4cm formen (je nach persönlichem Belieben, bei mir sind sie eher größer).

Die Rollen für mindestens 10 Minuten in Tiefkühler (zumindest die Variante mit Margarine, Butter wird ja auch im Kühlschrank fest).

Währenddessen den Zimtzucker herstellen und die durchgekühlten Rollen darin wälzen. Danach etwa 0.7 bis 1cm dicke Scheiben abschneiden (auch hier gilt, jeder wie er es am liebsten hat) und sie auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen. Achtung! Die Plätzchen wachsen ein wenig beim Backen!

Bei etwa 160°C Umluft (200°C Ober- und Unterhitze) rund 20 Minuten backen, aber immer schön ein wachsames Auge behalten!

Et voilà, die erste Runde leckerer Plätzchen ist fertig und das ganze Haus duftet wunderbar nach Zimt!

Lemon Curd Plätzchen:

Zutaten:

1 Vanilleschote (echte Vanille schmeckt einfach intensiver, Vanillezucker oder Vanilleextrakt, etc. geht aber auch, man muss mit dem arbeiten, was man hat)

½ Bio Zitrone (hier wird die Schale benötigt, aber Zitronenschale aus der Tüte geht ebenso)

200g Butter oder Margarine

75g Schmand

300g Mehl

50g Zucker

100g Lemon Curd (hier empfehle ich „smooth“ von „Chivers“, das bisschen mehr Geld zu investieren lohnt sich!)

Alle Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten und anschließend zu zwei Rollen mit einem Durchmesser von etwa 2,5cm formen und diese für mindestens eine Stunde kaltstellen (bei Margarine empfehle ich den Tiefkühler, bei Butter geht das natürlich auch, dann verkürzt sich die „Kalt-Stell-Zeit“ bei Margarine und Butter deutlich).

Den Backofen auf 160°C Umluft (180°C Ober- und Unterhitze) vorheizen und von den durchgekühlten Teigrollen etwa 0.5cm dicke Scheiben abschneiden und diese auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen.

Achtung! Die Plätzchen wachsen ein wenig beim Backen!

Alternativ kann der Teig auch ausgerollt und mit Ausstechern bearbeitet werden, hierbei nur darauf achten, dass immer zwei Plätzchen vom selben Motiv da sind, da die Plätzchen nach dem Backen geschichtet werden.

Die Plätzchen für etwa 8 Minuten backen. Nach dieser Zeit die Plätzchen aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Nicht wundern, die Plätzchen sind nach dem Backen noch etwas weich, das gibt sich aber nach dem Abkühlen.

Die Hälfte der abgekühlten Plätzchen mit Lemon Curd bestreichen und danach ein zweites Plätzchen als Deckel platzieren. Wenn man möchte, können die Plätzchen noch mit Puderzucker bestäubt werden.

Et voilà, schon hat sich zu dem Zimtgeruch ein frischer Hauch Zitrone gesellt.

Vanille Kipferl (vegan möglich):

Zutaten:

2 Vanilleschoten (echte Vanille schmeckt einfach intensiver, ein bisschen mehr Vanillezucker oder Vanilleextrakt, etc. geht aber auch, man muss mit dem arbeiten, was man hat)

210g Butter oder Margarine (falls vegan erwünscht)

250g Mehl

70g Zucker

100g gemahlene Mandeln (falls man allergisch ist, kann man stattdessen andere gemahlene Nüsse oder Mehl nehmen)

Alle Zutaten zu einem Teig verarbeiten und walnussgroße Stücke abtrennen. Diese zu Monden biegen, damit die typische Kipferlform entsteht.

Anschließend werden die Kipferl auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilt. Achtung! Die Plätzchen wachsen ein wenig beim Backen!

Dieses wird für etwa 10 Minuten kaltgestellt.

Bei etwa 175°C Umluft (200°C Ober- und Unterhitze) rund 10 bis 12 Minuten backen, aber immer schön ein wachsames Augen behalten!

Die fertigen Vanillekipferl, wenn man möchte, noch mit Puderzucker bestäuben und et voilà, das ganze Haus duftet nach Weihnachten. 🎄

Falls sie weder das eine noch das andere wirklich anspricht, kommen Sie gerne vorbei, wir haben eine riesige Auswahl an grandiosen Backbüchern.

Viel Spaß beim Backen und guten Appetit!

Pauline Kölsche





Bundesweiter Vorlesetag

7 11 2016

Am Freitag, den 18.11., ist es soweit: Es ist wieder bundesweiter Vorlesetag.

VLT_Logo_rz

Am dritten Freitag im November jedes Jahres ist seit 2004 bundesweiter Vorlesetag. Es handelt sich hierbei um eine gemeinsame Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung.

Als Ziel wird angestrebt, Begeisterung für Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder möglichst früh an das geschriebene und erzählte Wort heran zu führen.

Das Konzept dahinter ist denkbar simpel. Jeder der gerne vorliest, liest an diesem Tag jemanden anderem vor. Etwa in Schulen, Kindergärten, Kitas oder auch in Bibliotheken.

Letztes Jahr gab es über 110.00 Vorleser!

Auch wir nehmen mit verschiedenen Aktionen am diesjährigen bundesweiten Vorlesetag teil.

In der Kinderbibliothek im Alvar Aalto Kulturhaus wird vormittags ein Bilderbuchkino zu dem Buch/ den Büchern „Der schaurige Schusch“ von Charlotte Habersack und/ oder „Ben und der böse Ritter Berthold“ von Ute Krause mit einer Kitagruppe und mit der Bürgermeisterin Bärbel Weist stattfinden.

81iu-jgvzvl

Copyright Ravensburger Buchverlag/ Charlotte Habersack/ Sabine Büchner

61d1mjmntfl

Copyright Oetinger/ Ute Krause

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von 14.00 – 17.00 Uhr ist Vorlese-und Erzählzeit in der Kinderbibliothek. Wolfsburger Vorlesepaten verzaubern hierbei mit spannenden Geschichten. Den Auftakt bildet dabei die Märchenerzählerin Karin Burbulla.

In der Stadtteilbibliothek Fallersleben gibt es zwar keine spezielle Veranstaltung zu dem Vorlesetag, aber nur, weil es so schon so viele Veranstaltungen gibt!

Am 07. November, heute, wird die Michaelis-Kita Fallersleben besucht, es wird ein Bilderbuchkino zu „Sankt Martin und der kleine Bär“ vorgestellt und anschließend haben die Kinder die Möglichkeit Bücher für die Kita auszuleihen.

Außerdem findet heute um 16.30 Uhr ein Bilderbuchkino zu der Geschichte „Drache Kokosnuss – Die Mutprobe“ statt. Geeignet für alle Kinder ab drei Jahren!

Am 08. November, morgen, wird die DRK Kita Ost Fallersleben besucht, auch dort wird das Bilderbuchkino zu „Sankt Martin und der kleine Bär“ vorgestellt und die Kinder erhalten anschließend die Möglichkeit, Bücher für die Kita auszuleihen.

Am 11. November, Freitag, wird die Michaelis-Kita Fallersleben erneut besucht, es wird ein Kamishibai-Theater zu “Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da“ und noch andere tolle Aktionen geben.

In der Bibliothek der Heinrich-Nordhoff-IGS findet eine schulinterne Lesung für den 5. und 10. Jahrgang statt, wo unter anderem „Der Hobbit“ gelesen wird.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns bei einer dieser Veranstaltungen besuchen oder auch im privaten Kreis am Freitag, den 18.11., jemandem vorlesen!

Pauline Kölsche





Lesung im Rahmen der Deutsch-Russischen Tage am 18.10.2016

27 10 2016

Ort:                          Stadtbibliothek Wolfsburg

Zeit:                         Dienstag, 18. Oktober 2016, 19:00 Uhr

Texte:

Alexander Puschkin: Der Postmeister

Sergej Lebedew:       Der Westen ist wieder der Feind

Sprecher:                 Reinhard Altenberg

Musik (Gitarre):     Wulf Winter

Berühmt geworden ist Puschkin vor allem durch seine Versdichtungen, die in ihrem Umfang etwa die Hälfte seines Werks ausmachen: Verserzählungen (Eugen Onegin), Märchen, Dramen (Boris Godunov) und lyrische Texte (ca. 800). Die Prosaerzählung Der Postmeister ist 1831 erschienen. Nach Kindlers Neuem Literaturlexikon ist dies wohl die bedeutendste Erzählung aus dem berühmten Zyklus Povesti Belkina, mit dem Puschkin die realistische Prosa der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts begründete und sowohl in sprachlicher als auch thematischer Hinsicht wegweisend beeinflusste. Der Puschkin-Biograph Rolf-Dietrich Keil sagt zum Stil der Erzählung:

„Es gibt keine unnötige Beschreibung und wenig Dialoge. Alles ist Handlung.“ Und Puschkin selbst über sein Werk: „Jedenfalls muss man Erzählungen so schreiben, einfach, kurz und klar.“

russland-mein-schicksal-140_v-varm_7cbad0

Alexander S. Puschkin

Der Postmeister wurde 1940 in Deutschland mit Heinrich George und Hilde Krahl prominent verfilmt, nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 aber nicht mehr gezeigt – wegen des zu sympathischen Bildes der russischen Menschen, die jetzt als Feinde anzusehen waren. In einer Neuverfilmung (1955) wurde der Postmeister von Walter Richter dargestellt.

Wie man die Menschen im heutigen Russland Putins einschätzen kann, zeigt ein Text des 1981 in Moskau geborenen und dort lebenden Schriftstellers Sergej Lebedev: Der Westen ist wieder der Feind. Die Zeitung, für die Lebedev in den vergangenen Jahren schrieb, wurde während des Ukraine-Konflikts verboten. Zuletzt erschien sein Roman Menschen im August (S. Fischer Verlag).

Die Vergegenwärtigung russischen Lebens im 19. Jahrhundert durch ein „klassisches“ Stück Literatur und der Vergleich zum heutigen Reich Putins und seinen Menschen diente als anregende Grundlage für das anschließende Gespräch.

Die musikalische Begleitung durch Wulf Winter ermöglichte den Zuhörern, das Gehörte in eigene Erfahrungen einzubeziehen und bei den Gitarrenklängen darüber nachzudenken.

Klassiker wie auch moderne russische Autoren sind im Bestand der Stadtbibliothek zu finden. Die russische Bibliothek in der Stadtteilbibliothek Westhagen bietet dabei einen Schwerpunkt.

Reinhard Altenberg





Kulturmitte – Käpt´n Blaubär für Erwachsene?

12 10 2016

Jetzt wo die Tage wieder kürzer und die Temperaturen kühler werden, ist es doch noch viel schöner sich mit einem leckeren Tee, kleinen Snacks (warum nicht mal Gummibären und Co. selber machen, wir haben genug Bücher mit passenden Anleitungen) und einem guten Buch zurückzuziehen.
Deswegen ist die heutige Kulturmitte eine Buchvorstellung bzw. –empfehlung.

20161011_165112

„Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär“ als Taschenbuch sowie als Festband

Wer kennt ihn nicht auch, Käpt´n Blaubär, der gemeinsam mit seinen drei Enkeln und Hein Blöd auf seinem Schiff am Rand einer Klippe wohnt und nie um eine (Lügen-) Geschichte verlegen ist.
Als ich noch jünger war, habe ich mir zu gerne die Geschichten von Käpt´n Blaubär im Fernsehen angeschaut und nie weiter darüber nachgedacht, wer denn mal auf die Figur Käpt´n Blaubär gekommen ist.
Umso erstaunter war ich, als ich feststellte, dass es ein Buch von Walter Moers (vielen wohl bekannt durch „Das kleine Arschloch“) gibt, welches eine fiktive Biografie von Käpt´n Blaubär darstellt, und dieses auch sogar noch zu Hause bei uns im Regal steht. Walter Moers ist tatsächlich der „Erfinder“ von dem sympathischen Bär, auf Grundlage seines Buches ist die Kinderserie entstanden.

Nun aber zurück zum Buch, der Klappentext verspricht schon so einiges:

„Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, meine ersten dreizehneinhalb Leben wären ereignislos verlaufen.
Ich sage nur:
Zwergpiraten. Tratschwellen. Klabautergeister. Stollentrolle. Finsterbergmaden. Ein Riese ohne Kopf. Ein Kopf ohne Riese. Ewige Tornados. Eine gefangene Fata Morgana. Vampire mit schlechten Absichten. Ein Prinz aus einer anderen Dimension. Eine süße Wüste. Ein Professor mit sieben Gehirnen. Ein Tyrannowalfisch Rex. Eine Treibsandhose. Denkender Sand. Eine Ofenhölle. Ein Monsterschiff. Ein Regenwaldzwerg mit Nahkampfausbildung. Dramatische Lügenduelle. Kanaldrachen. Die Unsichtbaren Leute. Venedigermännlein. Nattifftoffen. Eklige Kakertratten. Das Tal der schlechten Ideen. Rostige Berge. Wirtschweine. Horchlöffelchen. Elfen. Alraunen. Halbgespenster. Ein Malmstrom. Tödlich Gefahren. Ewige Liebe. Rettungen in allerletzter Sekunde…
Aber ich will nicht vorgreifen!“

Käpt’n Blaubär

Der Klappentext gibt tatsächlich eine recht akkurate Zusammenfassung der ersten 13 1/2 Leben von Käpt´n Blaubär wieder.
Durch den wirklich genialen Schreibstil von Walter Moers (Achtung, Sie haben es hier mit einer eingefleischten Zamonien Fanatikerin zu tun, Objektivität kann nicht immer gewährleistet werden) fiebert man nur so mit. Ich habe mit Käpt´n Blaubär gelitten als er alleine auf dem Meer war, atmete auf, als die Zwergpiraten ihn fanden, lachte mich schlapp bei den Tratschwellen, wurde sauer auf den Stollentroll, und, und, und…

20161011_165155

Die angesprochenen Tratschwellen demonstrieren ihre Sprachübungen, damit man gleich mitüben kann.

20161011_165238

Ein Stollentroll… Damit man ihnen aus dem Weg gehen kann, falls man mal einem begegnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch wird aus der Sicht von Käpt´n Blaubär erzählt, wodurch man beim Lesen das Gefühl hat, ganz nah und exklusiv mit dabei zu sein.
Letztendlich hat man das Buch dann viel schneller durchgelesen, als einem lieb ist, zumindest war das mein Problem. Meine Lösung dafür: Einfach nochmal lesen, das war auch beim dritten Mal noch nicht langweilig.
Da das Buch aber nicht nur toll geschrieben ist, sondern auch tolle Illustrationen enthält, habe ich irgendwann in das Taschenbuch investiert. In diesem male ich nun fröhlich die Illustrationen bunt aus. Der Festband, der bei uns zu Hause steht war mir dafür irgendwie einerseits zu schade und andererseits gehört er ja auch nicht mir.

20161011_165130

Pflanzen, die nur auf der sogenannten Feinschmeckerinsel zu finden sind.

20161011_165304

Käpt´n Blaubär gemeinsam mit zwei Rettungssauriern, links Deus X. Machina, kurz Mac, für den Käpt´n Blaubär navigierte.

Zwar würde ich „Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär“ als mein Lieblingsbuch bezeichnen, aber auch die anderen Bücher von Walter Moers, die über Zamonien handeln, sind einen zweiten Blick wert.

Also, ab in die nächste Bibliothek und das Buch ausleihen und lesen… und uns dann berichten, wie es einem gefallen hat!

Pauline Kölsche





Verlinkt und (lokal) vernetzt in Chur

13 10 2014

„Linked“ , das hört man immer wieder! Verlinken oder Vernetzen als Gebot der Stunde und Open, Open Data, Open Educational Ressources (OER), Open Government – Begriffe, die in aller Munde sind. Und schön, dass dabei nicht nur technische Aspekte im Vordergrund stehen, sondern dass sich Menschen immer auch noch real verlinken und vernetzen wollen.

So war es auch auf dem 3. InfoCamp der HTW Chur, an dem ich Freitag und Samstag letzter Woche teilnahm. Das Motto „Linked“ umfasst so verschiedene Aspekte wie „verlinkte Daten im Netz“, „verlinkte Menschen“, „verlinkte Communities“, …Archive, Bibliotheken und Organsiationen“
Organisatoren waren Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan und Karsten Schuldt.

"Auf nach Chur"

„Auf nach Chur“

Die rund 30 Teilnehmer kamen zum größten Teil aus der Schweiz und zum kleineren Teil aus Deutschland, alle engagiert in Bibliotheken, Archiven und sonstigen kulturellen Einrichtungen und Projekten. Und hier damit beschäftigt, welche Veränderungen das Vernetzen und Verlinken für ihre Institutionen mit sich bringt und wie man dies gewinnbringend nutzen kann.

Teilnehmer des 3. InfoCamps in Chur

Teilnehmer des 3. InfoCamps in Chur

 

Außerdem nahmen teil Studierende der Informationswissenschaft an der HTW Chur, die nicht nur die Aufgabe hatten, die Workshops in einem Etherpad zu dokumentieren, sondern sich auch in die Diskussion in den Workshops mit einbrachten, sodass man die aktuellen Veränderungen z. B. beim Mediennutzungsverhalten immer auch durch die „jungen Leute“ reflektiert bekam.
Am Freitag und Samstag hörten wir jeweils Impulsvortäge von Jakob Voß von der Verbundzentrale des GBV aus Göttingen, Doreen Siegfried von der ZBW in Kiel, Elisabeth Henry aus Zürich und live dazugeschaltet  erlebten wir schließlich Michael Stephens aus den USA.
Nach diesen Referaten wurden Themen rund um den „Linked“-Aspekt gesammelt, die wir dann so anordneten, dass sich daraus 9 Workshops ergaben, die in 3 Sessions a 2 Stunden diskutiert wurden.

Barcamp: Workshop-Themen

Barcamp: Workshop-Themen

Themen dieser Workshops waren z.B. „Wie können Bibliotheken, Archive und Museen sich und ihre Daten besser verlinken? Wie können möglichst viele Menschen verlinkte und offene Daten im Netz nutzen? Wie können diese Informationseinrichtungen vom Wissen ihrer Nutzer profitieren? Was motiviert Menschen über größere räumliche Distanz kollaborativ mit virtuellen Werkzeugen wie Hangouts, Cloudspeichern etc. zusamenzuarbeiten, wie es schon bei der Zukunftswerkstatt und LIBREAS passiert und was sollten Institutionen zulassen, damit jeder einzelne ihrer Mitarbeiter sein kreatives Potential mit einbringen kann?
Fernab all dieser Schlagworte und Hypes, die uns täglich umgeben, sollte nicht nur im Vordergrund stehen, welche positiven Vernetzungsmöglichkeiten Kulturinstitutionen in der aktuellen Gesellschaft der sozialen Netzwerke nutzen können, sondern auch: warum müssen sie sich eigentlich weiter vernetzen und mit welchem Ziel wollen sie sich weiterentwickeln?

Ganz wichtig: die "lokale" Vernetzung

Ganz wichtig: die „lokale“ Vernetzung….

Vor diesem Hintergrund bot das InfoCamp allen Teilnehmenden mit ihren Fragen eine ausreichend große Plattform. Und natürlich wurde sich auch im Rahmenprgramm ausreichend gastronomisch und „Lokal“ vernetzt…

im Zollhaus Chur stand "Capuns" auf der Speisekarte: Spätzleteig mit Mangoldblättern umwickelt...

hier im Zollhaus Chur, wo u.a.  „Capuns“ auf der Speisekarte stand: ein Spätzleteig mit Mangoldblättern umwickelt…

Uwe Nüstedt





„Helle Köpfe“ – ein Abend zur Zukunft der Bildung / Film „Alphabet“ im Hallenbad

12 05 2014

Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule“) und Darmstädter Medienpädagoge Prof. Dr. Franz-Josef Röll zu Gast in der Stadtbibliothek Wolfsburg

Im Rahmen der Reihe „Geist Gehirn Kunst 2014“ geht es am Mittwoch, 21. Mai, 19 Uhr  (Hörsaal 1, Alvar-Aalto-Kulturhaus, Porschestr. 51) darum, wie wir unsere Kinder zukünftig ins Leben gehen lassen wollen und warum und wie selbstgesteuertes Lernen auch mit dem Web 2.0 nötig und möglich ist.

Mit dem Darmstädter Medienpädagogen Prof. Dr. Franz-Josef Röll und Autor und Freibildungsexperte André Stern („Und ich war nie in der Schule!“) werden dann zwei wirklich „helle Köpfe“ einen Lichtstrahl auf die aktuellen Fragestellungen der derzeitigen Bildungsdebatte richten.

Um 15 Uhr am 21. Mai zeigen wir im „Hallenbad – Kultur am Schachtweg“ in Wolfsburg den Film „Alphabet“ von „We feed the world“-Regisseur Erwin Wagenhofer.

In diesem Dokumentarfilm ist André Stern einer der Akteure. Der Film widmet sich der Frage, was die Schule mit unseren Kindern macht. Und er sieht in Bildung den Schlüssel zu einer anderen Gesellschaft.

Hier ein Auszug aus dem Programm:

Pädagogik der Navigation – selbstgesteuertes Lernen mit Neuen Medien – Vortrag Prof. Dr. Franz-Josef Röll, Darmstadt

Unsere Mediengesellschaft befindet sich im Umbruch. Der bisher passive Konsument von Produkten und Dienstleistungen kann zum aktiven und mündigen Kommunikator werden. Die Web-2.0-Bewegung stellt die Partizipation der Nutzer in den Vordergrund. Kommunikationsformen wie Soziale Netzwerke (SNS) verkörpern eine neue Partizipationskultur, die nicht an reale Orte gebunden ist. Es ist zu vermuten, dass diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Pädagogik haben wird…. Die PädagogInnen der Zukunft werden weniger Vermittler von Wissen sein, eher werden sie zu Navigatoren, die zuständig sind für die Lernumgebung. Beispielhaft werden pädagogische Methoden vorgestellt, die sich der Herausforderung der digitalen Mediengesellschaft ressourcenorientiert nähern.

Franz-Josef Röll

Franz-Josef Röll

Damit die Bildungslandschaft wieder blüht – Ökologie des Lernens – Vortrag
André Stern, Paris

Wie wächst ein Kind unter den von der Hirnforschung als erstrebenswert dargestellten Bedingungen auf? Gibt es Lernen, Bildung und Erfolg abseits von Leistungsdruck? Was passiert, wenn man ein Kind ein Leben lang in seinem nativen Begeisterungszustand belässt? Wir haben darüber keine Kenntnisse aus erster Hand. André Stern war nie in der Schule, und seine Geschichte liefert Antworten auf diese Fragen. Eine Einladung zu weiteren Fragen und Reflexionen.

André Stern

André Stern

Anschließend Diskussionsmöglichkeit und Ausklang

Der Eintritt beträgt 8 Euro pro Veranstaltung (ermäßigt 6 E.). Anmelden kann man sich für die jeweiligen Veranstaltungen bei der Stadtbibliothek (Tel. 05361-282530, stadtbibliothek@stadt.wolfsburg.de), dem Kunstmuseum (Tel. 05361-26690), dem Planetarium (Tel. 05361-8999320, info@planetarium-wolfsburg.de) und in der KulturInfo im Aaltohaus (Tel. 05361 28-1575, kulturinfo@stadt.wolfsburg.de). Allgemeine Informationen zur Reihe gibt die Stadtbibliothek unter der Telefonnummer 05361-28-2857.

Uwe Nüstedt





Geist und Gehirn 2013 – „Die Evolution des Bewusstsein“ – ein Rückblick

1 06 2013

Erster Abend (15. Mai) – Bewusstseinsgenese im Planetarium

Den Auftakt im Planetarium bestritten der Astrophysiker Professor Dr. Dieter B. Herrmann aus Berlin und der Göttinger Theologe Professor Dr. Joachim Ringleben, die sich mit der Entstehung des Bewusstseins beschäftigten. Eröffnet wurde die Reihe von Oberbürgermeister Klaus Mohrs, der in seiner Ansprache darauf verwies, dass I.P.I. und Stadtbibliothek den Kreis der Veranstalter 2013 bereits zum zweiten Mal um andere kulturelle Einrichtungen in der Stadt erweitern.

Auftakt im Planetarium: (v.l.n.r.) Prof. Ringleben, Prof. Herrmann, Moderator Markus Kater v. d. Wolfsburger Nachrichten und Oberbürgermeister Klaus Mohrs

Auftakt im Planetarium: (v.l.n.r.) Prof. Ringleben, Prof. Herrmann, Moderator Markus Kater v. d. Wolfsburger Nachrichten und Oberbürgermeister Klaus Mohrs

Nachdem im letzten Jahr mit Stadtbibliothek, Planetarium und Städtischer Galerie die Runde zum ersten Mal erfolgreich ergänzt wurde, trat 2013 das Kunstmuseum an die Stelle der Städtischen Galerie. Als versierter Moderator konnte außerdem für alle drei Abende der Redaktionsleiter der Wolfsburger Nachrichten, Markus Kater, verpflichtet werden.

Während Professor Herrmann die 13,8 Milliarden Jahre währende Geschichte des Universums innerhalb von 20 Minuten referierte und dabei die relativ neue Full Dome-Technik des Planetariums zur Präsentation nutzte, hörten wir als zweiten Referenten den Göttinger Theologen Professor Joachim Ringleben, der lediglich mit einem handschriftlichen Manuskript ausgestattet (Vortragstext Prof. Ringleben), die These entwickelte, dass ein Bewusstsein ohne Sprache und demzufolge ohne die Möglichkeit, von sich selbst als einem Ich zu sprechen, nicht vorstellbar wäre. Das rief einige Tierliebhaber aus dem Publikum auf den Plan, die dadurch ihre Haustiere eines Bewusstseins beraubt sahen.

Oberbürgermeister Klaus Mohrs eröffnet "Geist und Gehirn 2013"

Oberbürgermeister Klaus Mohrs eröffnet „Geist und Gehirn 2013“

Die sich anschließende lebhafte Diskussion zwischen Referenten und Publikum war ein kleiner Vorgeschmack auf den folgenden Abend im Aaltohaus, den wir als Stadtbibliothek organisiert hatten, denn es ging lebhaft weiter!

Zweiter Abend (22. Mai) – Prima leben ohne Privatsphäre oder Verdummen 3.0?

Der zweite Abend war ein Abend wie gemacht für eine Institution der Wissensvermittlung, die eine Bibliothek ja ist. Dafür hatten wir zwei Referenten eingeladen, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Markus Reiter, Medienberater aus Stuttgart, mit einer dezidiert kritischen Sicht auf die aktuellen Ausformungen des Internets und Christian Heller aus Berlin, der die Möglichkeiten des Netzes, insbesondere der Sozialen Netzwerke (Demokratisierung, Teilhabe an der Wissensproduktion, Open-Data etc.) positiv bewertete. Eröffnet wurde der zweite Abend im Aaltohaus von Geschäftsbereichsleiterin Kultur, Frau Dr. Schneider-Bönninger.

"Post-Literacy oder Post-Privacy"? Dr. Schneider-Bönninger eröffnet den zweiten Abend

„Post-Literacy oder Post-Privacy“? Dr. Schneider-Bönninger eröffnet den zweiten Abend

Reiters These, dass das Netz die soziale Selektion eher noch verschärfe, in dem sich eine digitale Elite herausbilde, die die Mehrheit der eher passiven Internetnutzer abhänge, konnte Christian Heller, der seinen Alltag sehr ausführlich online in einem selbst gestrickten Wiki dokumentiert, nicht direkt widerlegen.

Christian Hellers Wiki-Notizen Wolfsburg betreffend

Christian Hellers Wiki-Notizen Wolfsburg betreffend

Einigkeit herrschte dann darin, dass man sich nicht durch die großen Konzerne wie Google und Facebook entmündigen lassen, sondern auf freie Systeme setzen müsse. Auf die Frage, wie man möglichst viele Menschen zu aktiven Gestaltern der digitalen Gesellschaft machen könnte, antwortete Markus Reiter, die gesellschaftlichen Bildungsstrukturen müssten gestärkt und die Menschen zu eigenverantwortlichen, kritischen Anwendern gemacht werden.

Diskutieren mit Markus Reiter (li.) und Christian Heller (re.)

Diskutieren mit Markus Reiter (li.) und Christian Heller (re.)

Und Christian Heller plädierte als Verfechter von „selbstgebauten Lösungen“ dafür, sich Grundkenntnisse in Informatik anzueignen, „damit wir uns unser eigenes Facebook bauen können“.

Dritter Abend (29. Mai)– Kunst oder künstlich im Kunstmuseum?

Der abschließende Abend im Kunstmuseum war der Kunst bzw. dem Künstlichen gewidmet. Das Kunstmuseum hatte zu diesem Zweck Professor Dr. Rolf Pfeifer vom Labor für künstliche Intelligenz an der Universität Zürich nach Wolfsburg eingeladen, der sich gemeinsam mit Dr. Björn Egging, dem neuen Kurator am Kunstmuseum, mit der Frage beschäftigte, ob und inwieweit ein menschlicher, bewusster Geist unabdingbar für das Schöpfen eines Kunstwerkes sei.

Prof. Rolf Pfeifer, Leiter des Labors für künstliche Intelligenz an nder Uni Zürich

Prof. Rolf Pfeifer, Leiter des Labors für künstliche Intelligenz an der Uni Zürich

So zeigte Professor Pfeifer einige Beispiele von musizierenden oder sonstwie künstlerisch agierenden Robotern, die nach Pfeifers Auffassung demonstrieren, dass ein Gehirn, ein menschliches Bewusstsein, nicht zwangsläufig die Voraussetzung von künstlerischer Aktivität ist, sondern dass vielmehr der spezielle Aufbau und die Struktur des Bewegungsapparates im Zusammenspiel mit bestimmten Materialien Ergebnisse hervorbringt, die sich von der Kunst realer Menschen nicht unterscheiden lasse.

Neu im Kunstmuseum: Dr. Björn Egging

Neu im Kunstmuseum: Dr. Björn Egging

Dr. Egging brach immer wieder eine Lanze für die Einzigartigkeit eines human geprägten Konzeptes in der Kunst und eine Frage zum Ende der Diskussion „ob man sich denn vorstellen könnte, dass Roboter in einigen Jahren Ideen und Wertvorstellungen wie die der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ hervorbringen könnten, zeigte, dass wir uns im Grunde auch nicht vorstellen mögen, dass der Mensch und sein Bewusstsein irgendwann nicht mehr den Stellenwert haben könnten, den wir gern als gesetzt annehmen.

Uwe Nüstedt