Kulturmitte – Astrid Lindgren

9 08 2017

Wer kennt sie nicht, bzw. wer kennt nicht ihre Werke? Astrid Lindgren war noch zu ihren Lebzeiten erfolgreich und bekannt, viele sind mit ihren Werken aufgewachsen und auch nach ihrem Tod wachsen Kinder mit ihren Büchern auf.

Doch wussten Sie, dass ihre Bücher in der Kritik standen? Und wie wurde aus dem Mädchen Astrid Anna Emilia Ericsson, das auf einem Bauernhof geboren wurde, die erfolgreiche Schriftstellerin Astrid Lindgren?

Am 14. November 1907 wurde Astrid Anna Emilia Ericsson als zweites Kind auf dem elterlichen Hof Näs, bei Vimmerby geboren. 1911 gesellte sich zu Gunnar (Astrids großer Bruder) und Astrid die Schwester Stina, 1916 folgte Ingegerd. 1911 ist auch das Jahr, wo Astrid Lindgren ihr erstes Buch bekommt.

Im August 1914 wird sie eingeschult, 1923 verlässt sie mit einem guten Realschulabschluss die Schule. Aber sie ist anders, sie tanzt gerne, Jazz, will nicht nur am Herd stehen und Hausfrau sein, sie lässt sich die Haare abschneiden. Damit fällt sie auf.

1924 beginnt Astrid Lindgren bei Vimmerby Tidning, einer Zeitung. Sie liest Korrektur und verfasst kleinere Artikel. Zwei Jahre später zieht sie jedoch nach Stockholm und bekommt dort im Dezember ihren Sohn Lars, welchen sie bei einer Pflegefamilie in Kopenhagen lässt. Ihre Situation, unverheiratet und gerade einmal 19 Jahre alt, lässt nicht zu, dass sie sich um ihn kümmern kann.

1928 wird sie als Sekretärin beim Königlichen Automobilclub angestellt. Der Bürovorsteher heißt Sture Lindgren.

Nachdem Lars drei Jahre bei seiner Pflegemutter verbracht hat, wird diese schwer krank, woraufhin er von Astrid für ein Jahr nach Näs, auf den elterlichen Hof gebracht wird.

Astrid und Sture Lindgren

1931 heiratet Astrid Sture Lindgren, sie ziehen zusammen, Lars kann wieder zu ihr und sie wird Mutter und Hausfrau. 1933 veröffentlicht sie einige Weihnachtsgeschichten in der Zeitung.

Im Mai 1934 kommt ihre Tochter Karin zur Welt.

1941 zieht die Familie um und Tochter Karin wird in der neuen Wohnung krank. Sie bittet ihre Mutter, ihr von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Doch erst drei Jahre später verschriftlicht Astrid Lindgren die Geschichte, da sie durch einen verstauchten Knöchel mehr Zeit als sonst hat.

Die Wohnung bewohnt Astrid Lindgren bis zu ihrem Tod. Seit November 2015 kann man die Wohnung, welche sich noch im Originalzustand befindet, nach Voranmeldung besichtigen.

Eine Kopie des Manuskripts von Pippi Langstrumpf schickt sie an den Bonniers Verlag. Im Brief an den Verlag gibt sie der Hoffnung Ausdruck, man werde davon absehen, das Jugendamt zu benachrichtigen.

1945 schreibt der Verlag Rabén & Sjögren einen Wettbewerb für Kinderbücher aus. Bei diesem Verlag hatte Astrid Lindgren im letzten Jahr den zweiten Platz mit „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ belegt. Sie reicht die bearbeitete Pippi Langstrumpf ein und bekommt diesmal den ersten Preis. Pippi Langstrumpf steht aber in der Kritik. Denn Pippi sei kein gutes Vorbild für Kinder, sie lebt alleine, mit Tieren, ist aktiv, selbstbewusst, selbstbestimmt, kreativ und gewitzt. Dennoch ist das Buch so erfolgreich, dass es neu aufgelegt werden musste.

1946 erscheint das erste Buch über „Meisterdetektiv Blomquist“, 1947 „Wir Kinder aus Bullerbü“ und sie beginnt einen Job als Verlagslektorin bei Rabén & Sjögren.

Deutsche Erstausgabe von Pippi Langstrumpf

1949 erscheint Pippi Langstrumpf im deutschen Oetinger Verlag. Das Buch erscheint ebenso in Frankreich, hier wird es jedoch zensiert, es wird alles allzu Provozierendes und Anarchistisches entfernt.

1952 stirbt ihr Ehemann Sture Lindgren mit lediglich 54 Jahren, die gemeinsame Tochter ist gerade erst 18 Jahre alt.

Sechs Jahre und einige Veröffentlichungen später nimmt Astrid Lindgren die Hans-Christian-Andersen-Medaille entgegen, den bedeutendsten Kinderbuchpreis der Welt.

Im Jahre 1963 wird sie als erste Kinderbuchautorin auf Lebenszeit in die literarische Gesellschaft Samfundet de nio (Gesellschaft der Neun) gewählt.

Mit 63 Jahren, 1970 gibt sie ihren Beruf bei Rabén & Sjögren auf und geht in Pension. In ihrer Pension schreibt sie aber weiterhin Bücher.

Auch das 1974 veröffentlichte Buch „Die Brüder Löwenherz“ wird kritisiert, da hier angeblich Selbstmord verherrlicht wird, doch Astrid Lindgren war für ein selbstbestimmtes Leben bis zum Schluss.

1975 überreicht der (heute noch amtierende) schwedische König ihr die Auszeichnung Litteris et Artibus.

1978 wird Astrid Lindgren mit dem angesehenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, 1985 nimmt sie den Orden Illis Quorum entgegen, 1987 die Leo-Tolstoi-Medaille.

1981 wird der Freizeit Park Astrid Lindgrens Värld (Astrid Lindgrens Welt) von den Familien Isaksson, Jalminger und Soowik in Vimmerby gegründet. Hier gibt es Nachbauten der Schauplätze der Astrid Lindgren Bücher. Als erstes wurde das Haus „Katthult“ im Maßstab 1:3 errichtet. Es folgten weitere Häuser im selben Maßstab, bevor der Park 1989 vom Riquma Konzern aufgekauft wurde und die Astrid Lindgrens Värld AB gegründet wurde.

1990 wird das Heckenrosental aus Die Brüder Löwenherz in Originalgröße errichtet, 1991 folgt die Krachmacherstraße ebenfalls in Originalgröße.

1994 wird Astrid Lindgren der Alternative Nobelpreises The Right Livelihood Honorary Award für Einsatz für das Recht der Kinder und für die Natur verliehen, drei Jahre später wird sie zur populärsten Schwedin des Jahres und zur beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts gewählt.

Ab 1999 lebt sie zurückgezogen in ihrer Wohnung, wo sie am 28. Januar 2002 mit 94 Jahren stirbt.

Im Jahre 2000 wird die Krachmacherstraße im Park um die Skolgatan ergänzt. Es werden dort Läden, Cafés und Restaurants eingerichtet.

Im Sommer 2007 wird der erste überdachte Schauplatz errichtet, „Ferien auf Saltkrokan“, 2009 wird eine neue Villa Kunterbunt gebaut und auch ein See mit Hafen angelegt.

Der Park hat inzwischen eine Fläche von rund 120.000m2 und bekommt jährlich eine ½ Million Besucher.

Auf sieben Bühnen werden Szenen aus Astrid Lindgrens Büchern vorgeführt und etliche Schauplätze wurden gebaut: die Krachmacherstraße, Bullerbü, Birkenlund, das Haus von Polly Patents Großmutter, Katthult-Hof (erneuert 2013), Karlssons Dach, das Kirschtal und das Heckenrosental (Brüder Löwenherz), die Mattisburg (2011 neu errichtet), Nils Karlsson Däumlings Haus, die Villa Kunterbunt (2009 neu errichtet), Rasmus‘ Scheune, Ferien auf Saltkrokan, die winzige, kleine Stadt, und die Burg von Ronja Räubertochter (2011 neu errichtet).

Hier findet man eine Übersicht aller von Astrid Lindgren veröffentlichten Werke, aber auch Filme, Serien, Theaterstücke… (Unter „Über Astrid Lindgren“ > „Werk“).

Welche ist Ihre Lieblingsgeschichte von Astrid Lindgren?

Meine ist wohl die Kinder aus Bullerbü und natürlich Pippi Langstrumpf.

Pauline Kölsche


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