Das Erbe der 68er – Vitrinenausstellung der Stadtbibliothek im Foyer des Alvar-Aalto-Kulturhauses

22 06 2017

Was haben die legendären Sätze „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“, „I have a dream“ oder „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ gemein? Auf den ersten Blick nicht viel, mag der ein oder andere sagen. Doch wer genauer hinschaut, wird feststellen, dass sie die Stimmung einer Generation ausdrücken.
Die 68er. Die Vorgänger der Babyboomer, der Generation X beziehungsweise Golf, den Millenials – auch Generation Y genannt – und der künftigen Generation Z.

1968. Ein Jahr, dass für die Älteren unter uns ihre Jugend symbolisiert. Die Jüngeren kennen es nur aus den Erzählungen ihrer Eltern oder gar Großeltern. Es war eine turbulente Zeit. Studentenproteste. Vietnamkrieg. Bürgerrechtsbewegung. Woodstock. Kommune 1. Prager Frühling. Heutzutage mag es beinahe unvorstellbar sein, dass all dies zur gleichen Zeit geschah.

Doch eigentlich beginnt das, was wir als 68er heute kennen, schon viel früher als 1968. So tobte der Vietnamkrieg bereits seit 14 Jahren, doch die Proteste dagegen starteten erst mit dem Kriegseintritt der USA im Jahre 1963 und erreichten in den kommenden Jahren ihren Höhepunkt.

Auch die Bürgerrechtsbewegung hat ihre Wurzeln bereits weit vor dem Schicksalsjahr 1968 in den Boden der amerikanischen Bevölkerung geschlagen. Als allgemeiner Start der Bewegung wird oftmals der Fall der Afroamerikanerin Rosa Parks genannt.

Wir schreiben das Jahr 1955. In den USA herrscht Rassentrennung. Von öffentlichen Toiletten über Parkbänke bis hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Gesellschaft in schwarz und weiß geteilt. So auch der Bus in welchen Rosa Parks am 1. Dezember 1955 steigt. Afroamerikanern ist es verboten im vorderen Teil zu sitzen beziehungsweise sie hatten den Platz zu räumen, wenn ein Weißer sich setzen wollte. Doch Rosa Parks reicht es an diesem Tag und sie kommt der Aufforderung nicht nach. Es endet für sie in einer Verhaftung und 14$ Strafe für die „Störung der öffentlichen Ruhe“. Daraus resultierte unter anderem der Montgomery Bus Boykott, welcher von niemand geringerem als dem damals noch relativ unbekannten Martin Luther King organisiert wurde. Sein heute weltweitbekanntes Engagement für die Rechte der Afroamerikaner und gegen den Vietnamkrieg fand am 4. April 1968 ein jähes Ende als er von James Earl Ray auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis, Tennessee, USA (heute: National Civil Rights Museum) erschossen wurde.

Nicht nur der Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung bestimmen die amerikanische Zivilkultur Ende der 60er Jahre, sondern auch ein Festival, welches noch nahezu 50 Jahre später jeder kennt. Woodstock, genau genommen das “Woodstock Music & Art Fair – 3 Days of Peace & Music”. Ein Festival, welches die Musik und den Frieden feiern wollte. Geblieben sind die Karrieren von Joe Cocker und die Erinnerungen an Jimi Hendrix, The Who und Janis Joplin.

Schauen wir nach Europa. Durch Studentenproteste im Herbst 1967 ausgelöst, beginnt im Frühjahr 1968 auch der sogenannte „Prager Frühling“ – der Versuch der Tschechoslowakischen Regierung den Sozialismus zu reformieren. So wird zum Beispiel noch im Februar 1968 die Zensur der Presse beendet. Doch das Aufblühen eines freien Sozialismus endet jäh am 21. August 1968 mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts.

Auch in Deutschland waren die 68er in vollem Gange. Neben der bekannten Kommune 1 mit u.a. Uschi Obermaier und Rainer Langhans, gab es auch in Deutschland Proteste. Das bekannteste Gesicht der deutschen Studentenbewegung ist wohl ihr Anführer Rudi Dutschke auf den nur wenige Tage nach Martin Luther Kings Tod ebenfalls ein Anschlag verübt wurde. Dutschke überlebte knapp, ertrank aber an Heiligabend 1979 in seiner Badewanne aufgrund eines epileptischen Anfalls, der als Spätfolge des Anschlags von 1968 gilt.

In den Fokus der Medien wurde die 68er-Bewegung allerdings bereits ein Jahr zuvor gerückt. Es ist der 2. Juni 1967. Der persische Schah besucht West-Berlin. Zur gleichen Zeit formiert sich eine Demonstration gegen eben diesen Staatsbesuch. Unter den Demonstranten war auch der Hannoveraner Student Benno Ohnesorg. Am Abend des 2. Juni war er tot. Erschossen durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras. Es folgten Studentenproteste gegen Polizeigewalt und die 68er in Deutschland nahmen ihren Lauf.

All dies ist nun beinahe 50 Jahre her. Aus diesem Anlass veröffentlicht die Zeitung „Die Zeit“ im Juni 2017 ein vierteiliges Spezial unter dem Titel „Das wahre Erbe von 68“. Auch wir in der Stadtbibliothek Wolfsburg haben uns dies zum Anlass genommen unseren Bestand nach relevanten Büchern über die 68er zu durchforsten. Und wir sind mehr als fündig geworden.

Einige dieser Schätze – darunter nicht nur Sachbücher sondern auch belletristische Werke, DVDs und Kinderbücher – finden Sie ab jetzt für etwa drei Wochen in einer Vitrinenausstellung im Alvar-Aalto-Kulturhaus. Weitere Werke sind in unserem Katalog verfügbar. Des Weiteren finden Sie die Wochenzeitung „Die Zeit“ sowohl im Zeitungs- und Zeitschriftenlesesaal der Zentralbibliothek als auch in unserer Onleihe.

S. Buerschaper/Praktikantin


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