Kulturmitte – Buchcover rund um die Welt

11 01 2017

Vor einiger Zeit bin ich auf ein paar Blogartikel gestoßen, die Buchcover behandeln und habe diese mit großem Interesse gelesen (konkret geht es um diese Artikel: Scroll.in, Kulturgeschwätz und schiefgelesen.net).

Fast alle Bücher haben verschiedene Covers, wenn sie auf verschiedenen Sprachen erscheinen. Oftmals sind sogar Buchcover von Taschenbuch und Festband unterschiedlich oder es gibt neue Cover zu irgendwelchen Jubiläen.
Doch was soll das? Wozu gibt es diese aufwändigen Buchcover überhaupt?!

Was einem am meisten auffällt: es sind vor allem die Bücher der Belletristik, die mit aufwändigen Covern hervorstechen wollen.

Oder haben Sie schon den neuen, verzierten Brockhaus in fünf Bänden gesehen? Ich auch nicht.

Buchcover sollen einen Leseanreiz geben und Neugierde wecken. Dafür muss in einem Bild möglichst das Wichtigste des gesamten Buches dargestellt werden. Dazu wird sich vor allen Stereotypen bedient.

Verwerflich? Vielleicht. Effektiv? Absolut.

Doch diese Stereotypen verraten vielleicht auch etwas über die Mentalität, die in einem Land zu bestimmten Themen herrscht. Oder spiegeln auch einfach den Stil wieder, der in den Ländern herrscht.

Verdeutlichen kann man das an Buchcovern zu dem gleichen Buch in verschiedenen Ländern. Gehen wir doch mal ein paar der Bücher durch, die im Rahmen der Kulturmitte vorgestellt wurden.

Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes

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Da die Autorin aus Großbritannien stammt, bezeichne ich das englischsprachige Cover als „Original Cover“. Es sei mir verziehen, falls dies nicht das tatsächliche Cover der „Erstausgabe“ ist. Aber darum geht es primär ja auch gar nicht.

Die Cover des englischen und spanischen Buches sind fast identisch. Dieselbe Schriftart, dieselbe Farbwahl, lediglich die Sprache hat sich verändert und das Cover gibt, zumindest für mich, die dieses Buch nicht gelesen hat, keinen richtigen Anhaltspunkt, worum es im Buch gehen mag.

Auch das deutsche und das italienische Cover sind sich sehr ähnlich. Nicht so direkt „kopiert“, wie bei eben genannten, aber doch erkennt man hier dieselbe Inspirationsquelle. Mir gefallen diese Cover persönlich schon besser, da sie verspielter und romantischer sind und daher eher die Liebesgeschichte andeuten.

Das Cover des bulgarischen Buches fällt, wie das dänische, meiner Meinung nach, ziemlich aus der Reihe.

Auf diesem läuft eine Frau barfuß in einem roten Kleid auf ein altes Anwesen zu. Doch auch hier wird das Motiv der Vögel, sowie die Farbe Rot, wie bei dem deutschen und italienischen Cover, genutzt.

Das dänische Cover fällt vor allen farblich aus der Reihe. Bisher hatten alle Cover immer Rot sehr präsent als (Haupt-) Farbe. Bei dem dänischen ist das Grün jedoch präsenter. Doch auch hier ist die Figur in rot gekleidet. Ebenfalls ist hier ein altes Anwesen im Hintergrund zu erkennen.

Was folgern wir aus diesem ersten Vergleich? Sechs verschiedene Länder, vier verschiedene Entscheidungen, wie man das Buch durch das Cover präsentieren möchte.

Die Chemie des Todes von Simon Beckett

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Da der Autor aus Großbritannien stammt, bezeichne ich das englischsprachige Cover als „Original Cover“.

Bei diesem Buch fällt auf, dass alle von mir ausgewählten Cover sehr individuell sind bzw. alle anders aussehen.

Was jedoch alle gemeinsam haben. Sie wirken bedrückend und geben einen Hinweis darauf, was für ein Buch man da in der Hand hält. Einen Thriller.

Ich denke, ich muss Ihnen jetzt nicht die Cover beschreiben, die sehen Sie ja selbst, um meine These zu untermauern. Jedes Cover hat seinen eigenen Weg gefunden, auf seine Art und Weise bedrückend bzw. beängstigend zu wirken. Sei es durch die Simplizität (das deutsche Cover), eindeutige Symbolik (das bulgarische Cover) oder unterschwellige Symbole, die einen aber ganz klare Bilder im Kopf hervorrufen (das englische Cover).

Zwischenfazit: es gibt viele kreative Möglichkeiten das Cover für einen Thriller zu gestalten.

Der Federmann von Max Bentow

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Da der Autor aus Deutschland stammt, bezeichne ich das deutschsprachige Cover als „Original Cover“.

Machen wir also nun weiter mit diesem (Psycho-) Thriller.

Was einem zuerst auffällt: alle ausgewählten Cover, bis auf das italienische, bedienen sich des Vogel-Motivs. Zwar gibt es hier natürlich Unterschiede, das Vogelmotiv wird mal abstrakt, mal realistisch verwendet, aber die Grundlage bleibt dieselbe.

Auf dem italienischen Cover ist (laut meiner Recherche) Max Bentow, also der Autor abgebildet, in einer sehr passenden Inszenierung, wie ich finde.

Ein erneutes Zwischenfazit: Es gibt durchaus Buchcover, wo sich stark an dem Titel orientiert wird (was teils aber auch vielleicht als problematisch anzusehen ist, dazu das hier lesen).

Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär von Walter Moers

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Nachdem wir nun schon zwei Thriller hatten, begeben wir uns in ein ganz anderes Genre: Fantasy.

Da der Autor aus Deutschland stammt, bezeichne ich das deutschsprachige Cover als „Original Cover“.

Bei diesem Buch zu probieren, etwas über verschiedene Cover zu schreiben ist, direkt gesagt, witzlos. Wie Sie sehen können haben vier von den sechs Büchern das gleiche Cover, alle sechs haben Käpt´n Blaubär, die Haupt-„Person“ abgebildet, lediglich das englische Buch fällt mit seinem gelben statt blauen Farbthema ein wenig aus der Reihe.

Bei diesem Buch lässt sich sagen: Die Illustratoren waren sich einig, es werden von Walter Moers, vom Autor, gezeichnete Illustrationen verwendet.

Der Bildhauer von Scott McCloud

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Nun zu einem Buch, welches nicht ganz der klassischen Definition von Buch entspricht, einer Graphic Novel.

Da der Autor aus den USA stammt, bezeichne ich das englischsprachige Cover als „Original Cover“.

Bei diesem Buch verhält es sich ähnlich wie bei Käpt´n Blaubär. Vier von sechs ausgewählten Covern bilden dasselbe ab, die restlichen zwei teilen sich ebenfalls ein Motiv, lediglich mit leicht veränderter Farbwahl. Alle sechs Cover zeigen die Hauptfigur, bei dem portugiesischen und französichen Cover wird meiner Meinung nach durch die Gestaltung noch stärker die Dramatik des Buches betont, als es die andere Cover-Gestaltung tut.

Hier ist als Fazit zu sagen: Auch in verschiedenen Sprachen bzw. Ländern kann erfolgreich dasselbe Symbol zur Cover-Gestaltung genutzt werden.

Die Bücherdiebin von Markus Zusak

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Nun zu dem letzten Buch. Dessen Autor stammt aus Australien, daher bezeichne ich das englischsprachige Cover als „Original Cover“.

Orientiert daran, sehen Sie, dass das deutsche Cover eine Kopie des „Originals“ ist. Mit diesen Covern wird, meiner Meinung nach, die Rolle bzw. Verbindung zum Tod in dem Leben der Bücherdiebin betont.

Die anderen vier Cover sind hingegen komplett individuell gehalten.

Auf dem französischen Cover sieht man ein junges Mädchen etwa bis zur Taille, die Knie-Strümpfe und das Kleidchen geben einen Hinweis darauf, wo und in welcher Zeit das Buch spielt. Das Buchbündel, welches das Mädchen in der Hand hält, ist eine Andeutung darauf, dass Bücher eine große Rolle in dem Leben der Bücherdiebin einnehmen.

Bücher werden auch auf dem italienischen Cover thematisiert, dort zieht ein junges Mädchen Bücher in einem Weidenkorb mit sich durch den Schnee. Auch hier wird also die Rolle der Bücher betont, sowie durch die Schneelandschaft der Beginn des Buches ein wenig vorausgesagt.

Ganz anders ist hingegen wieder das portugiesische Cover, es wirkt sehr stilisiert, und hat durch diese Gestaltung eine schon fast bedrückende Wirkung, die gut zu dem Inhalt des Buches passt.

Auch das türkische Cover ist sehr ausgefallen, es ist Collagen-ähnlich gestaltet und bezieht sowohl die Bücher als auch den Tod sowie die Bücherdiebin mit ein. So gesehen das gelungenste Cover, da es die meisten Aspekte des Buches sofort präsentiert.

Was an allen Büchern auffällig ist: obwohl „Die Bücherdiebin“ im Zweiten Weltkrieg spielt, deutet kein Cover explizit darauf hin.

Das letzte Zwischenfazit: Buchcover können sowohl nur einzelne als auch mehrere Aspekte betonen, hier kommt es zu verschiedenen Schwerpunktsetzungen.

Was lässt sich also abschließend sagen?

Es gibt Fälle, wo verschiedene Länder verschiedene Cover Entwürfe nutzen, teils um mehr der Mentalität ihres Landes zu entsprechen, teils um andere oder auch mehr Aspekte des Buches zu betonen.

Manchmal werden auch Aspekte des Titels umgesetzt, nur in ganz individuellen Gestaltungen und dann werden wiederum ein und dieselbe Grafik, teils sogar vom Autor selbst, in geringer Abwandlung genutzt.

Man kann durchaus Rückschlüsse auf die Mentalität eines Landes zu einem Thema auf Grundlage von Buchcovern ziehen, doch sollte dies natürlich nicht die einzige Informationsgrundlage sein.

Letztendlich ist immer noch der Inhalt des Buches entscheidend, davon können Sie sich gerne bei uns überzeugen.

Pauline Kölsche

Alle Bilder von den Buchcovern sind von goodreads.


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2 responses

11 01 2017
Anne Lohe

In dem Zusammenhang siehe Buchschuber der Jubiläums Lutherbibel im Reformationsjahr. Besonders interessant von Harald Glööckler oder Uschi Glas.

12 01 2017
Stadtbibliothek Wolfsburg

Vielen Dank für die Anregung, Anne!

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