Kulturmitte – „Was für ein Comic?“ „Graphic Novels!“

23 11 2016

Letztens wurde ich gefragt, ob ich „Graphic Novels“ kennen würde. Meine Antwort: „ Ehm nein…?“

Deswegen habe ich mich informiert und diese Kulturmitte verfasst.

Die erste Graphic Novel, bzw. der erste Comic, wo „Graphic Novel“ auf dem Cover stand, ist Will Eisners Werk „A Contract with God“, welches 1978 erschien. Damit wollte Eisner verdeutlichen, dass sich der Roman an eine erwachsene Leserschaft richtet und der Belletristik zuzuordnen ist. Dem zutragend war, dass „A Contract with God“ als gebundenes Buch bei einem Literaturverlag erschien.

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Das Cover der Erstausgabe von „A contract with God“ bzw. „Ein Vertrag mit Gott“ (Copyright Will Eisner)

Doch bevor diese Graphic Novel erschien, ebneten andere „Comics“ den Weg.

Erstens Hugo Pratts „Südseeballade“ von 1967, wo sich erstmals an einer eher romanhafteren Erzählweise versucht wurde.

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Buchcover von „Südseeballade“ (Copyrigth Hugo Pratt)

Zweitens die Underground Comics (Comics, die in Klein- oder Selbstverlagen erscheinen), die in den 1960er Jahren in Folge der Hippiebewegung in den USA veröffentlicht wurden. Diese hatten gesellschaftskritische und politische Inhalte, womit sie sich an eine erwachsene Leserschaft wendeten.

Drittens Art Spiegelmans „Maus – die Geschichte eines Überlebenden“ von 1989. In diesem Werk wird die Lebensgeschichte von Spiegelmans Vater erzählt, der im KZ Auschwitz gefangen war und den Holocaust überlebt hat. 1992 erhielt Art Spiegelman dafür den „Pulitzer Preis“, eine Auszeichnung, die zuvor noch nie ein Comic erhalten hat.

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Buchcover von „Maus“ (Copyright FISCHER Taschenbuch/ Art Spiegelman)

Seit der ersten „Graphic Novel“ 1978 hat sich dieses Genre, welches den Comics zuzuordnen ist, in viele Richtungen weiterentwickelt.

Dennoch gibt es keine einheitliche Definition für Graphic Novels.

Es haben sich jedoch Aspekte entwickelt, woran man ableiten kann, ob ein Comic als Graphic Novel einzuordnen ist.

Zwar ist jede Graphic Novel auch ein Comic, aber nicht alle Comics sind Graphic Novels.

Aspekte, die, wenn sie gehäuft auftreten, eine Graphic Novel erkennen lassen:

  • Es wird sich an eine erwachsene Leserschaft gerichtet
  • Der Autor hat großen Einfluss auf das Werk, der Einfluss des Verlags tritt deutlich hinter dem des Autors zurück
  • Der „Comic“ ist nicht an ein Standardformat gebunden, sondern weicht davon ab
  • Der „Comic“ ist abgeschlossen
  • Der „Comic“ ist nicht an ein Genre (z.B. Fantasy, Science-Fiction, etc.) gebunden, sondern ein Thema steht im Vordergrund

(Die Bedeutung des Begriffs Graphic Novel ist in den USA teils anders als in Deutschland)

Es mag der Eindruck entstanden sein, das Graphic Novels vor allem ernste Themen behandeln. Jedoch ist die Bandbreite der Themen und Herangehensweise der Erzähler inzwischen so weit gefächert wie in vielen anderen Bereichen der Belletristik auch.

Es gibt Geschichten, die autobiografisch inspiriert sind, anspruchsvolle und bewegende Werke, aufschlussreiche Reiseberichte, lyrische Erzählungen, spannende Krimis und kenntnisreiche Biografien.[1] [2] [3]

 

Ich habe mir als „Graphic Novels“ „Don Quijote“ und „Der Bildhauer“ von Scott McCloud  ausgeliehen und ich muss sagen, dass mir beide sehr gut gefallen haben.

Ich konnte mir vorher nicht wirklich vorstellen, wie Graphic Novels denn nun wirklich sind und einfach eine zu lesen hilft da schon. Man merkt, dass es um ernstere Themen geht, die mehr an eine ältere Leserschaft gerichtet sind, Themen, die auch anders dargestellt werden, ohne viel „Kaboom“ und „Boom“, was man doch aus „klassischen“ Superhelden Comics kennt.

Jedoch musste ich mich immer wieder anhalten, auch die Bilder einen Moment länger zu betrachten, denn textmäßig ist so eine Graphic Novel natürlich wesentlich geringer ausgestattet als ein klassischer Roman. Durchgelesen hat man eine Graphic Novel von daher schnell, aber man muss eine Graphic Novel auch durchschauen und die Bilder und Zeichnungen auf sich wirken lassen. Diese machen einen großen Aspekt des Reizes von Graphic Novels aus.

Ich werde in nächster Zeit noch mehr Graphic Novels lesen bzw. ansehen. Und Sie?

Falls ja, hier noch ein paar interessante Fakten zu dem Graphic Novel Bestand in der Stadtbibliothek Wolfsburg:

  • wir haben rund 180 Graphic Novels
  • fast 100 davon befinden sich in der Zentralbibliothek
  • sie befinden sich in der ehemaligen Kunstecke unter R – Kunst und Kulturgeschichte
  • genauer gesagt links von dem mehrbändigen Werk „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“
  • die Restlichen teilen sich auf die Selbstlernzentren Vorsfelde und Westhagen auf
  • in unserem Benutzerkatalog kann man als Interessenkreis “ Graphic Novel“ angeben und erhält einen Überblick über all unsere Graphic Novels

[1]www.egmont-graphic-novel.de/graphic-novels-hintergruende/

[2] http://www.graphic-novel.info/?page_id=3032

[3]https://wolfsburg.brockhaus.de/enzyklopaedie/graphic-novel

Pauline Kölsche


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