Kulturmitte: Frankfurter Buchmesse 2016 – „Messe-Rundgang“ durch die Medien

19 10 2016

Buchmesse live vor Ort zu erleben, ob in Leipzig und/oder in Frankfurt am Main, das ist immer wieder ein besonderes Medien-Erlebnis, eine sehr direkte, authentische Begegnung mit Büchern, Autoren, Verlagen und ihren Messeständen, Schwerpunkt-Themen, vielen Kulturen, geschäftigen Menschen aus aller Welt usw. verbunden  mit einzigartigen audiovisuellen (Hallen-)Eindrücken. Auch ein gut vorbereiteter Messetag ist anstrengend, aber vor allem aber sehr anregend,  einprägsam, einfach unvergleichlich.

Frankfurter Buchmesse 2016, Startseite, Zugriff 19.10.16

Frankfurter Buchmesse 2016, Startseite, Zugriff 19.10.16

Wer dieses Jahr nicht zur Buchmesse fahren kann oder möchte, findet auf der Messe-Homepage, in den großen überregionalen Zeitungen DIE ZEIT, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche, taz u.a. sowie DER SPIEGEL umfangreiche Messe-Beilagen bzw. mit einem 50-Titel-Kanon von „Die Bücher unserer Zeit“ der Spiegel-Kulturedaktion um Volker Weidermann. Von Salman Rushdies „Santanischen Verse“ aus 1988 werden für jedes Jahr bis 2015 mit Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ die „50 wichtigsten Romane der Gegenwart“ im zeitgeschichtlichen Kontext vorgestellt. Die renommierte Neue Zürcher Zeitung bietet auch Messekultur (NNZ und NZZ am Sonntag können Sie via Bibliothekshomepage und PressReader mit gültiger Bibliocard und Passwort lesen!).

Buchmesse in den Medien
DIE ZEIT
titelt „Bücher zum Träumen“ am Donnerstag vor der Messe, bietet ihren Leserinnen und Lesern zur Frankfurter Buchmesse jedes Jahr ein eigenes „Magazin“. ZEIT LITERATUR, Nr. 43, Oktober 2016, „Ja, heißt ja!“ mit der „feministischen Künstlerin Ulrike Rosenbach“ auf dem Titelbild („Art is a Criminal Act“, Fotomontage aus 1969/70). Die Ausgabe widmet sowohl dem Gastland „Flandern und die Niederlande“ als auch seinem Autor „Arnon Grünberg auf dem Hofgut Hesterberg“ viel Aufmerksamkeit, S. 4-13.

Der Fokus liegt auf Schriftstellerinnen und Schriftstellern als „Spezialisten für Extremerfahrungen“, Inhalt, S. 3. Grünberg berichtet nicht nur von seinen Erfahrungen aus Afghanistan und Irak, sondern auch vom „ukrainischen Heiratsmarkt“, als „eingewiesener“ Patient aus der Psychiatrie und seiner Recherche in Schlachthöfen. Darüber hinaus werden Neuerscheinungen zu den Themen „Er killt den Tod“, „Zum Teufel“ und „Feminismus“ vorgestellt sowie „20 Bücher für den intellektuellen Smalltalk“ von dem ZEIT-Autorenteam um Ijoma Mangold besprochen.

DER SPIEGEL, Nr. 42 vom 15.10.16 mit 50 Romane-Kanon und DIE ZEIT, Nr. 43, 13.10.16, ihrer "Messeausgabe" inkl. ZEIT LITERATUR

DER SPIEGEL, Nr. 42 vom 15.10.16 mit 50 Romane-Kanon und DIE ZEIT, Nr. 43, 13.10.16, ihrer „Messeausgabe“ inkl. ZEIT LITERATUR

Die FAZ widmet am offiziellen Eröffnungs-Dienstag ihren Leitartikel „Die Buchmesse als der ehrliche Makler“ der großen Bücherschau. Andreas Platthaus stellt darin fest, dass „Bücher nicht mehr fürs Geschäft ausreichen“. Daher wird mit dem neuen Programmsegment „The Arts+“ die „Literatur ausgeweitet“, sollen neue Besucher mit künstlerisch-kreativen Formaten angezogen werden. Die Buchmesse ist längst vom „Handelsplatz zur Kontaktbörse im Publikationsgeschäft“ geworden.

Die Süddeutsche vom 18.10.16 macht in ihrer Messebeilage mit Illustrationen von der Shakespeare-Zeit bis heute neugierig. Für diese historische Zeitreise wählt sie z.B. das „First Folio“ von Shakespeare aus, das nach seinem Tod in Frankfurt präsentiert wurde. Man erfährt, dass Mexiko innerhalb von 14 Tagen für die Sowjetunion als „Ehrengast“ eingesprungen ist, Iran von 1989 bis 1999 wg. der Fatwa gegen Rushdie auf der Messe nicht vertreten war. Schon Luther nutzte 1520 den Messeplatz Frankfurt für seine Bibel. Politische Diskurse gehörten auch immer zur Messe. Nach Benno Ohnesorgs Tod wurde an den Springer-Ständen protestiert. „Goethes Copyright“, von ihm mit „39 Landesherren“ ausgehandelt, gehört ebenso zur SZ-Revue wie 1982 Helmut Schmidt ohne Kanzleramt. Den Medienwandel vom Buch zur Elektronik sollen US-Verlage 1993 „erzwungen“ haben. Langenscheidt bot erstmals Wörterbücher auf CD-ROM an. Dass Frankfurt lange Jahre gegenüber der berühmten Leipziger Messe unterlegen war und erst 1949 wieder an Bedeutung gewann, schließt diesen ungewöhnlichen Rückblick ab.

Die genannten Zeitungen liegen im Zeitungs- und Zeitschriftenlesesaal der Stadtbibliothek im Alvar-Aalto-Kulturhaus zu den gewohnten Öffnungszeiten zur Lektüre aus.

Ehrengast Niederlande und Flandern
Zurück zur neuen Buchmesse. „Flandern & Niederlande“ mit dem Motto „Dies ist, was wir teilen“ sind die diesjährigen Ehrengäste, deren „Selbstdarstellungen“ auf der Messe in eigener Halle immer mit sehr viel Spannung erwartet werden. Hier kann man Geschichte und Gegenwart, Literatur und Kunst des jeweiligen Landes „im Original“ mit Lesungen, Mitmachaktionen usw. erleben. 1993 war der erste niederländische Gastauftritt. Also in diesem Jahr ein Wiedersehen mit Autoren, z.B. Cees Noteboom, Harry Mulisch, Margriet de Moor, Connie Palmen, Willem Hermans u.a. Der Kinder- und Jugendbuchautor Bart Moeyaert leitet den Gastlandauftritt. Noch mehr erfahren wir im Buchreport Jg. 47, Nr. 10, Oktober 2016, S. 36-40 mit einem „Branchenüberblick“.

Buchstäblich erfassen kann man all diese Zeitungen. Sie werden einem von den vielen Messerepräsentanten freundlich in die Hand gedrückt usw. Information auf Schritt und Tritt! Früher mit Verlagsprospekten, Taschen, Give aways vollgepackt als Zeichen eines erfolgreichen Messetages kann man sich heute die Messetour dank Internetauftritten etwas leichter gestalten.

Vom Deutschen Buchpreis bis zum Friedenpreis des Deutschen Buchhandels
Auf die Messe einstimmen konnte man sich mit dem Deutschen Buchpreis, mit dessen Longlist und der viel diskutierten Shortlist , so auch im letzten Literarischen Quartett von Volker Weidermann mit seinen „Berufskolleg/innen“, mit der Verleihung des „Deutschen Buchpreises“ via Livestream. Ebenso live konnte man am Dienstagabend die Vorstellung der Nominierten und die Dankesrede des mit großer Spannung erwarteten Preisträgers, Bodo Kirchhoff,  aus dem Kaisersaal am „Schirm“ verfolgen. Die Lesungen des Preisträgers und der Nominierten auf der Messe finden Sie http://www.deutscher-buchpreis.de/lesungen.
Wer Buchmessegespräche mit Autoren und Autorinnen im Fernsehen erleben möchte, muss sich meistens auf sehr späte Sendezeiten einstellen. Aber es gibt heute viele mediale Alternativen, Schriftstelle/rinnen und ihre Werke kennen zu lernen. Autorenbegegnungen, -gespräche und  Lesungen, wie man sie auf der Messe an den Verlagsständen und/oder im Frankfurter Römer, Literaturhaus Frankfurt, in Buchhandlungen, der Stadtbücherei Frankfurt und an vielen anderen Leseorten in Frankfurt und Umgebung erleben kann, z.B. das Lesefest Open Books, sind durch nichts zu ersetzen.
Besonders beeindruckend ist für mich fast immer der Messeabschluss in der Frankfurter Paulskirche mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im letzten Jahr an Navid Kermani, 2016 an die Publizistin Carolin Emcke für ihr couragiertes Eintreten „Gegen den Hass“. „Mit der Sorge kommt die Blindheit“ wurde sie im letzten Spiegel-Gespräch (DER SPIEGEL, Nr. 42, 15.10.16, S. 136-138)  vorgestellt. Am kommenden Sonntag, 23.10.16, 10.45 Uhr wird die Verleihung in der ARD aus der Paulskirche übertragen. Reden der Preisträgerin, Laudatorin Philosophin Seyla Benhabib u.a. werden im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels  usw. veröffentlicht. Bücher der Autorin sind in der Stadtbibliothek vorhanden, ihr jüngstes steht in Kürze zur Ausleihe bereit.

Was bietet die Buchmesse noch?
Die Buchmesse ist neben der Neuheiten- und Verlagsschau aus dem In- und Ausland immer mehr eine Informations- und Bildungsmesse zu folgenden Fokus-Themen:

Frankfurter Buchmesse, Fokus-Thmen 2016 (Zugriff 19.10.16)

Frankfurter Buchmesse, Fokus-Thmen 2016 (Zugriff 19.10.16)

Selbstverständlich gibt es auch in diesem Jahr zahlreiche Angebote für Migranten mit „Bücher sagen Willkommen“ mit Ansprechpartnern, Angeboten, Medienlisten usw.

 

16-10-19-fbm-fokus-2016

Frankfurter Buchmesse 2016 mit zahlreichen Angeboten für Migrant/innen (Zugriff 19.10.16)

 

Wo ist was?
Die Startseite der Messe bietet den Einstieg für Ticket-Kauf, Registrierung, Ausstellerkatalog, Veranstaltungskalender usw. Ein interaktiver Hallenplan gibt erste Orientierung für Literaturabteilungen, Verlagssuche usw. Nach der Registrierung können sich Besucher ihren eigenen Messe-Besuchsplan zusammenstellen. Das ist sehr zu empfehlen. So kann optimal seinen eigenen Zeit- und Wegeplan gewinnen. Natürlich kann man sich bei genügend Zeit einfach durch die Hallen „treiben“ lassen … Sehr praktisch ist die kostenlose Buchmesse-App für mobile Endgeräte.

Dort finden Sie auch die wichtigen Treffpunkte für Autoren, Verleger, Journalisten, Buchhändler, Bibliothekare, FaMIs u.a. Fachleute aus der Medienbranche zum Cafétrinken, Austausch und/ oder einfach mal kurz Hinsetzen (nach den vielen Hallenkilometern und Steh-ins an den Verlagsständen beim Zuhören, Sehen, Stöbern usw.).

Sie können sich die Messe auch auf geführten Touren im Überblick (mit Anmeldung) zeigen lassen!

Entgehen lassen sollten Sie sich nicht die Ausstellungen mit den Büchern des Deutschen Buchpreises sowie die sehr sehenswerten „Schönsten (deutschen) Bücher“ der Stiftung Buchkunst . Bibliophile Kostbarkeiten zum Anschauen und „Begreifen“, ein nicht alltägliches Erlebnis für Bücherfreunde“.

Es gäbe noch viel hervorzuheben …

Ob Leipzig und/oder Frankfurt, dezentrale Bücherschauen natürlich nicht zu vergessen, gönnen Sie sich dieses einzigartige Literatur-Lese-Erlebnis!

Annette Rugen


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