Kulturmitte – André Sterns neues Buch: wie und mit welchem Ziel lernen wir?

28 09 2016

„Vieles von dem, was wir einmal lernen mussten, vergessen wir wieder  – 80 Prozent sollen es sein. Es hat uns nicht berührt….“ Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll, wenn ich über André Stern schreibe! Anlass dieses Blogposts ist Sterns neues Buch: „Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben.

andresternneuesbuch

Elisabeth Sandmann Verlag, ISBN-13: 978-3945543238

Dann aber fällt mir die Veranstaltung ein, die wir vor über zwei Jahren mit André Stern  bei uns in der Bibliothek hatten. Unter dem Motto „Helle Köpfe“ hatten wir im Rahmen der Reihe „Geist, Gehirn und Kunst“ den Darmstädter Medienpädagogen Franz-Josef Röll mit André Stern zusammengebracht. Unvergessen Sterns Beispiel, wie er sich das Autofahren beigebracht habe. Wie er sich dann später zur Fahrschule anmeldete und der Fahrlehrer ihm sagte, in der Fahrschule gehe es nicht nur darum, wie man Autofahren fahren lerne, sondern viel mehr darum, zu lernen, wie man die Fahrprüfung bestehe.  Zwei ganz unterschiedliche Dinge. Und gleichzeitig völlig konträre Bildungs- und Lernideale, die immer wieder eine Rolle spielen in Sterns Vorträgen. Warum lernen wir? Um wirklich zu entfalten, was in uns steckt? Oder um Regeln zu akzeptieren und zu verinnerlichen, die wir kennen müssen, um erfolgreich durch alle Prüfungen zu kommen?

andrestern

André Stern 2014 bei uns in der Bibliothek mit Dirk Thomsen (re.)

„Eine Qualifikation, die sich an Institutionen misst, zählt mehr als die tatsächliche Kompetenz“, kann man auf S. 12 von Sterns neuem Buch lesen. Auch wieder so eine Aussage, die fast jeder mit seinen eigenen Erfahrungen während der Ausbildung und im Beruf synchronisieren kann. Es ist irgendwie nicht in Ordnung, dass das so ist, das wissen wir auch. Auf der anderen Seite geht es eben überall – und immer mehr – ums Formale und da zählt eine sehr gute Note oder das Abschlusszeugnis einer renommierten Schule automatisch mehr. Weiter sehen und denken wir in der Regel nicht. Warum auch, wenn es nur darum geht, den Numerus Clausus einer Uni zu schaffen oder sich ein Leben lang mit dem Satz „Ich habe Abitur!“ besser fühlen zu dürfen.

Das neue Buch ist ein Sammelwerk mit Beiträgen von Personen, die einem im Zusammenhang mit André Stern – mindestens einmal schon über den Weg liefen.  In „Alphabet – Angst oder Liebe“ – dem Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer – haben sie alle ihre Rolle und auch  André Stern  ist hier einer der Protagonisten. Es sind Wagenhofer selbst (auch Regisseur von „We feed the world“), der Neurobiologe Gerald Hüther, Sterns Vater Arno Stern, Initiator vom Malort in Paris, Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger  und Sir Ken Robinson, der einen „Kreativitäts-„Test für unangepasstes Denken  durchführte

Das Ergebnis:  Kinder im Kindergartenalter schneiden mit 98 % ab, wenige Jahre später 32 %, zwischen 13 und 15 Jahren 10% und Erwachsene nur noch 2%.

Zur Verdeutlichung: „Wenn man Menschen fragt, wie viele Anwendungen ihnen zu einer Büroklammer einfallen, dann kommen sie im Schnitt auf ein Dutzend. Andere, die gut im unangepassten Denken sind, bringen 200 Antworten.“ 

Das zeige, dass wir alle die Fähigkeit zu „unangepasster Kreativität“ haben, so Stern. Meistens verlieren wir sie dann aber auch wieder. „Die Kinder haben bis zum Erwachsenenalter viel Verschiedenartiges erlebt, aber eines haben sie gemeinsam: Sie wurden alle unterrichtet. Sie haben zehn Jahre erfahren, dass es nur eine Antwort gibt, dass sie diese auswendig kennen müssen und dass Nachahmen und Kopieren verboten sind.“ Ein tolles Buch, das der Ausgangspunkt für die weitere Beschäftigung mit dem Thema Lernen sein kann.

Uwe Nüstedt


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