Angesprochen: Petra Krische und der „lebensverändernde Seitenwechsel“

21 04 2016

Eine Ära geht zu Ende hier in der Stadtbibliothek! Die halbe nächste Woche ist unsere Kollegin Petra Krische noch da, dann ist sie erstmal kurz weg, um danach einen „lebensverändernden Seitenwechsel“ zu vollziehen. Von der aktiven und gestaltenden Bibliotheksarbeit zur privaten und individuellen Bibliotheksnutzung. Wer von den Kollegen den genauen Zeitpunkt dieses Seiten- und Perspektivwechsels nicht behalten konnte, für den hatte Petra Krische in den letzten Tagen und Wochen einen glasklaren Merksatz zur Hand „Ab Mai bin ich frei!“ Das saß! Und führte uns eben so deutlich vor Augen, dass die gemeinsame Arbeit nun bald enden würde. Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Petra Krische und wir freuen uns mit ihr! Fragen können wir Petra natürlich auch in Zukunft noch, die Antworten werden aber dann wohl öfter auch mal von unterwegs kommen. So haben wir dieses Interview ein einziges Mal noch an ihrem Schreibtisch in der Erwerbungsabteilung unserer Bibliothek im Alvar-Aalto-Kulturhaus geführt.

 

Was genau war Deine Aufgabe in der Bibliothek?

Kurz gesagt: Ich bin zuständig für Bücher, Geld und Zahlen. Nach vielen Jahren im Ausleihdienst in verschiedenen Zweigstellen habe ich Anfang der 90er Jahre die Leitung der Erwerbungsstelle übernommen. Ich habe mich zusammen mit zwei weiteren Kolleginnen um den Einkauf neuer Medien gekümmert. Das beinhaltet natürlich den Kontakt zum Bibliothekskollegium, das die Bestellungen einreicht als auch zu unseren Lieferanten. Hinzu kamen Aufgaben im Bereich Budgetverwaltung und Statistik.

Wird allen fehlen: Petra Krische

Wird uns allen fehlen: Petra Krische

 

Was hast Du besonders geliebt an Deinem Job?

Mitunter habe ich mich bereits bei der Bestellung eines Titels auf das Buch, das ich demnächst in Händen halten kann, gefreut! Geschätzt habe ich sehr die Vielseitigkeit meiner Arbeit, die immer neuen Herausforderungen, die sich auch durch technische Entwicklungen und veränderte Arbeitsabläufe ergeben. Langweilig war mir nie! Nicht unerwähnt bleiben sollen die Kolleginnen und Kollegen, mit denen sich in den vielen Jahren eine gute, freundschaftliche Arbeitsatmosphäre entwickelt hat und die ich mit großer Sicherheit sehr vermissen werde.

Was ist für Dich das Besondere an der Arbeit in einer Bibliothek?

Ich bin ganz nah an meinem Lieblingsobjekten: der Kunst, der Literatur und der Reiselust und kann sozusagen auch dienstlich meinen Neigungen nachgehen. Und habe aber auch den Kontakt zu einer ganz besonderen Spezies: den Bibliotheksmenschen – die ticken nämlich alle sehr ähnlich.

Hat sich da über diese lange Zeit hinweg etwas an Deiner Arbeit verändert oder ist das Erwerbungsgeschäft in einer Bibliothek 2016 im Wesentlichen noch dasselbe wie zu Beginn der 80er Jahre?

Na, das wäre ja schlimm! Natürlich hat sich sehr viel verändert. Wenn ich aus meinen Anfangsjahren in der – damals noch – Stadtbücherei berichte, fallen Ausdrücke wie Zettelkatalog, Bestellfahnen, Schreibmaschine, Kohlepapier! Das treibt heute jungen Auszubildenden die dicken Fragezeichen ins Gesicht. Die Bestellung und Bearbeitung eines Buches, z.B. eines Leserwunsches kann heute von einem Tag zum andern erfolgen. Aber die Anforderungen sind auch vielfältiger geworden und es haben sich neue Aufgaben ergeben, an die damals noch gar nicht zu denken war.

Würdest Du Dich auch im „nächsten Arbeitsleben“ wieder für „die“ Bibliothek entscheiden?

Immer wieder JA!

Was denkst Du, wie werden sich Bibliotheken in 10 Jahren verändert haben?

Ich hoffe sehr, dass trotz Einsatz modernster Techniken die Bibliothek immer ein Platz für Menschen sein wird, ein Ort des Zusammentreffens, an dem man allein lesen, gemeinsam lernen, Unbekanntes entdecken kann.

Was meinst Du, wie lange hältst Du es nach Deiner Verabschiedung in den Ruhestand ohne Wolfsburger Stadtbibliothek aus?

Nun – ein paar Tage wohl. Aber dann werde ich das tun, was ich immer schon neidvoll bei unseren Lesern gesehen habe, wenn ich mit Arbeit unterm Arm durch die schönen Bibliotheksräume des Alvar-Aalto-Kulturhauses eilte: ich werde zwischen den Regalen verschwinden, mäandern, suchen und entdecken, was ich gar nicht gesucht habe, mich festlesen und in neue Welten eintauchen. Außerdem weiterhin ehrenamtlich das Antiquariat organisieren und betreuen. Ihr werdet mich also nicht so bald los!


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2 responses

27 04 2016
Peter Reisse

Auch wir, liebe Frau Krische, wünschen Ihnen als Nutzer des Angebots der Stadtbibliothek und als Antiquariatsmitarbeiter alles Gute in ihrem weiteren Leben. Sie waren uns immer eine gute, sachkundige Kraft mit viel Herz und Verstand und im Antiquariat eine ebenso gute Chefin. I want to be free, frei wie ein Vogel, ist wahr geworden und Sie werden eine ganz neue Welt kennen lernen, das tun, was Sie schon immer wollten.
Sie sind nicht aus der Welt, machen die Antiquariatsarbeit ehrenamtlich weiter und so werden wir uns wieder sehen. Auch schön.

mit den besten Grüßen, ihre Hannelore und Peter Reisse.

27 04 2016
Stadtbibliothek Wolfsburg

Liebe Reisses, vielen vielen Dank😊Frau Krische hat ihre lieben Worte gerade gelesen und sich sehr darüber gefreut!

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