Die Kulturmitte – Lesen in virtueller Gemeinschaft: Social Reading

6 04 2016

Wer heutzutage noch denkt das Lesen von Büchern ist ein einsamer Prozess, der irrt. Denn Lesen wird immer kommunikativer. Dem Wunsch des Lesers sich über das Gelesene auszutauschen, zu reflektieren und in den Kontakt mit anderen Lesern oder auch den Autoren selbst zu treten, kann in der heutigen Zeit viel schneller und einfacher nachgegangen werden. Ganz im Sinne von: „Das Internet macht es möglich“ können digitalisierte Medieninhalte und die Vernetzung in sozialen Netzwerken einen viel breiteren Austausch als früher ermöglichen. Was also früher in Lesekreisen stattfand, funktioniert in dieser Zeit immer mehr online. Der Begriff für diese Entwicklung ist: „Social Reading“. Aber wie funktioniert dieses „soziale Lesen“ und wie „sozial“ ist das Ganze wirklich?

Lesen in virtueller Gemeinschaft: Social Reading.

Plattformen des Social Readings

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung  ist Social Reading ein online geführter, intensiver und dauerhafter Austausch über Texte.

Social Reading kann auf ganz verschiedene Weise und auf unterschiedlichen Plattformen passieren. Auf Facebook, Twitter, Instagram und auch WordPress finden sich immer mehr Seiten und Profile, die sich mit Buchvorstellungen, Rezensionen und Themen rund ums Buch beschäftigen. Bücherfans tauschen sich unter bestimmten Hashtags und Themengebieten über die Bücher aus und entdecken so auch neuen Lesestoff oder gleichgesinnte Leser. Auch bei der Video-Plattform YouTube tummeln sich viele Buchliebhaber, die zum Beispiel in sogenannten „Book-Hauls“ zeigen, welche neuen Bücher sie in einer Buchhandlung geshoppt haben oder welche sie in der Bibliothek ausgeliehen haben.

Richtige Online-Communities bilden sich auf den Literatur-Community Seiten Goodreads oder der deutschsprachigen Seite Lovelybooks. Dort können Nutzer Rezensionen schreiben, ihr Leseverhalten dokumentieren, Markierungen und Zitate teilen und neue Bücher aus verschiendenen Genres entdecken. Hat man als Leser also spontante Einfälle oder Fragen zum Buch, sind diese dank Smartphone oder Tablet schnell online gestellt. Lovelybooks verzeichnet ca. 165.000 registrierte Nutzer und ist damit eine sehr aktive Community.

Wie „sozial“ ist „Social Reading“ wirklich?

Im Gegensatz zu Lesekreisen wirkt das „Social Reading“ zunächst natürlich nicht so „sozial“, denn man trifft für den Austausch ja keinen realen Gegenüber mit dem man sich unterhält. Bei realen Literaturtreffen in einer Gruppe wird auch öfter mal über private Themen gesprochen und es können sich, über die gemeinsame Leidenschaft zur Literatur hinaus, auch echte Freundschaften bilden. In der virtuellen Gemeinschaft bleibt der Kontakt oft auf einer anderen Ebene, denn viele Nutzer wollen ihre Anonymität wahren oder die Wohnorte liegen für ein Treffen zu weit auseinander. Es handelt sich defintiv um eine andere Art des sozialen Austausches, der aber deswegen nicht schlechter sein muss.

Die Kritiker des sozialen Lesens sehen beim „Social Reading“ vor allem die Gefahr des„Gläsernen Lesers“. Sie kritisieren die Digitalisierung des Buchmarktes und das „Social Reading“ als ein Paradies für Datensammler und Verlage. Denn die Verlage können auf den Plattformen Anzeigen schalten und profitieren von den Rezensionen der Leser, die sich auf den Plattformen schnell verbreiten und so die Aufmerksamkeit von ganz allein auf ein Buch lenken.

Der Austausch im Internet hat aber auch viele Vorteile: Er ist unabhängig von zeitlichen und räumlichen Begrenzungen und Menschen ganz verschiedener Altersgruppen können anonym daran teilnehmen. Außerdem haben ausgewählte Leser die Möglichkeit kostenlose Rezensionsexemplare zu erhalten oder sogar Bücher zu gewinnen.

„Social Reading“ ist sicher keine Revolution für die Literaturwelt, aber die bessere Vernetzung und die langfristige Speicherung der Daten ermöglicht einen noch weiteren Austausch mit noch mehr Informationen für den Leser.

Abschließend noch ein Video über „Social Reading“, dass sehr gut die wichtigsten Aspekte des „Social Readings“ zusammenfasst. Konzipiert wurde es vom Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und man findet es auf dem Blog NETzWorking.

Alina Heger


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2 responses

12 04 2016
Stadtbibliothek Wolfsburg

Stimmt, aus „Social Reading“ kann sich definitv auch eine „reale Gemeinschaft“ entwickeln. Vielen Dank für die Ergänzung 🙂

12 04 2016
Natira

„Social Reading“ kann auch zu persönlichen Kontakten führen. Es gibt durchaus regionale Gruppen, aus denen sich Stammtische entwickelt haben.

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