„Real und digital in Leipzig“ – Bibliothekskongress 2016

17 03 2016

Was bewegt die Bibliothekswelt im Jahre 2016? – eine gute Frage, die schon fast beantwortet war, als ich einen Blick auf das Motto des diesjährigen Bibliothekskongresses (14. – 17. März im Congress Center Leipzig) geworfen hatte. „Bibliotheksräume real und digital“ hieß es da und tatsächlich durchzog das aktuell häufig verwendete Begriffspaar „real – digital“ wie ein roter Faden das Kongressprogramm in Leipzig, genauso wie „analog – digital“ oder „real – virtuell“.

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Ob es nun um den Einsatz von Apps in der Bibliothekspädagogik geht, Rallyes und Bibliothekseinführungen mittlerweile nicht mehr ohne den Einsatz von z.B. Actionbound oder Biparcours auskommen oder – andersherum – Bibliotheken sich überlegen, wie sie ihre mittlerweile zahlreichen digitalen Angebote wieder real sichtbar machen – in Leipzig bewegte sich so einiges an dieser „real-digitalen Trennlinie“. In einer Veranstaltung „App in die Bibliothek“ am Dienstag, die Marlene Neumann aus der Stadtbibliothek Erlangen sehr kenntnisreich moderierte, wurde dies sehr deutlich. Allerdings auch die Erkenntnis der zwei Kolleginnen aus der Stadtbibliothek Reutlingen, Alexandra Piper und Jutta Zimmermann, dass sich ein Bibliotheks-Leitbild wie „Selbstverständlich digital“ nicht umsetzen läßt, solange nicht auch die Mitarbeiter einer Bibliothek ihre Einstellung zu digitalen Themen ändern.

"App in die Bibliothek"

Einen sehr überzeugenden Beweis dafür, dass digitale Medien gut in der Leseförderung einzusetzen sind, lieferten Anja Krokowski und Beate Kerkströer aus der Stadtbibliothek Gütersloh. Engagiert und fundiert berichteten sie darüber, wie sie mit dem Einsatz von Kinderbuchapps und digitalen Vorlesereihen z. B. auch „lesefernere“ Bevölkerungsschichten erreichen. Unbedingt erwähnen möchte ich auch den lebhaften und sehr anschaulichen Vortrag von Julia Rittel von der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken in NRW, die über ihre langjährigen Erfahrungen mit den Apps Actionbound und Biparcours bei der Planung und Durchführung von Bibliothekseinführungen berichtete.

Natürlich spielte auch das Thema „Flüchtlinge“ eine Rolle in Leipzig. So ging es ebenfalls am Dienstag um die „Grundlagen der Willkommenskultur“. „Grundlagen“, das bedeutete zunächst einmal Begriffs- und Rechtserläuterungen. „Wer oder was sind eigentlich Flüchtlinge?“ – eine Frage, die Sarah Politt von den Bücherhallen Hamburg zu beantworten versuchte. Best-Practice-Beispiele kamen danach – wie zu anderen Themen oft auch –  aus der Stadtbibliothek Köln. Markus Volz, zuständig für den „Sprachraum“ plädierte dafür, Flüchtlinge stärker an der Programmarbeit zu beteiligen, denn – das ein Originalzitat einiger Flüchtlinge in Köln: „Wir sind ja nicht doof, wir können nur die Sprache nicht!“. Und – praxisorientierter geht es nicht – der Moderator der „Willkommenskultur“ und Leiter der Stadtbibliothek Salzgitter, Gerald Schleiwies, hatte gleich seine syrische Kollegin für diese Veranstaltung mit nach Leipzig gebracht.

Auch Makerspaces in Bibliotheken sind verstärkt ein Thema, das bewies Julia Bergmann mit ihrem Vortrag für Genios. Zahlreiche Praxisbeispiele, nicht nur in der Stadtbibliothek Köln belegen, dass es kaum einen geeigneteren Ort dafür gibt als eine Bibliothek.

Sari Feldman, Präsidentin der ALA, präsentierte während der Veranstaltung „Bibliothek im öffentlichen Raum – real und digital“ die US-weite Kampagne „Libraries transform“ und hinterließ ein Statement, mit dem man gut schließen könnte:  „Es kommt in Zukunft nicht drauf an, was eine Bibliothek für die Menschen an Wissen gesammelt hat, sondern, was sie mit ihnen aktiv veranstaltet“ (frei übersetzt).

Für mich allerdings der Höhepunkt auch in diesem Jahr: die Verleihung des „Zukunftsgestalterpreises in Bibliotheken“. Seit vier Jahren bin ich hier ein Teil der Jury, gemeinsam mit Julia Bergmann, Hannelore Vogt, Cornelia Vonhof und Elmar Mittler. Der Zukunftsgestalterpreis wird gestiftet vom Verlag DeGruyter und ging in diesem Jahr an das JuWel, die „Junge Welt“ in der Stadtbücherei Münster und das Projekt „Lernraum Bibliothek 2016“ der Universitätsbibliothek Rostock.

Zukunftsgestalterpreis-Verleihung

Und zum Schluß: ohne den Erfahrungsaustausch mit den Kollegen ist alles nichts! Wie schön, dass man das in Leipzig in besonders schönen Lokalen und Restaurants tun kann. Wer für den nächsten Leipzig-Aufenthalt einen guten Tipp haben will – hier ist er: geht mal ins Ristorante Italiano Sardegna direkt an der Nikolaikirche. „Klein, aber sehr fein, kann ich da nur sagen! 

Ristorante Italiano Sardegna

Uwe Nüstedt


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6 responses

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[…] Bibliothek, Blogs wie Bibliothekarisch.de, der 6. Bibliothekskongress vom letzten Jahr zum Thema »Bibliotheksräume – real und digital« und viele […]

21 03 2016
Der Bibliothekskongress 2016 in der Biblioblogosphäre #bibtag16 #bid16 [Update 18.03.2016] | Bibliothekarisch.de

[…] Uwe: “Real und digital in Leipzig“ – Bibliothekskongress 2016, Stadtbibliothek Wolfsburg […]

18 03 2016
juttareichelt

Toll! Vielen Dank für diese vielen spannenden Hinweise und Links, die ja ehrlich gesagt auch für Nicht-BibliothekarInnen sehr interessant sind 😉

18 03 2016
Stadtbibliothek Wolfsburg

Vielen Dank! Freut uns 🙂

17 03 2016
Anne Lohe

Danke für den interessanten Bericht. Vielleicht kann ich nächstes Jahr nach Frankfurt kommen! Viele Grüße aus Aachen.

17 03 2016
Stadtbibliothek Wolfsburg

Vielen Dank und hoffentlich bist Du mit dabei im nächsten Jahr!

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