„Böhmen (liegt) am Meer“ oder demnächst „Kafka im Katalograum“ – ein Abend mit dem Leseduo Katka Karl Brejchova und Arthur Schnabl

20 11 2014

„Böhmen am Meer“ – diesen Abend verdanken wir, wie so viele andere auch in den vergangenen Jahren, Prag Live, die seit 1997 tschechische Nachwuchstalente in Wolfsburg vorstellen und bekannt machen. Und das immer durch persönliche Begegnungen mit den Künstlern rund um die Veranstaltungen – ob nun Lesungen, Konzerte oder Ausstellungen.
Wahrscheinlich blicken wir auch deshalb so gern auf die gemeinsamen Veranstaltungen mit Prag Live zurück, da sie immer eine ganz besondere Atmosphäre in die Bibliothek brachten. Auch in den Geschichten gestern Abend in der Zentralbibliothek von Bohumil Hrabal, Franz Kafka etc. und – sehr wortgewaltig – Václav Hrabě blitzte immer etwas auf, das einen auf seltsame Weise anzog und das Karl und Schnabl mit dem Wort „Absurdität“ beschrieben – eine Mischung aus Komik und Entsetzen, wie man sie in den Beiträgen von Karel Čapek („Der Heiligenschein“), Eduard Bass („Ein Prager Sherlock Holmes“) und Jiří Weil („Mendelssohn auf dem Dach“) besonders deutlich empfand.

Karl und Schnabl rezitieren...

Karl und Schnabl rezitieren…

Das Motto des Abends „Böhmen liegt am Meer“ war dabei frei nach Shakespeare gewählt worden und tatsächlich, so Schnabl, gibt es wohl auch kein anderes Land in Europa, das weiter entfernt von einem Meer liegt als das heutige Tschechien.
Sehr schön, da es die verteilt vorgetragenen Texte plastischer machte – dass die beiden eine kleine, minimalistisch zusammengestellte „Bühnenrequisite“ mit einsetzten wie z.B. den Hut einer Polizistenuniform, eine „antike“ Olympia-Schreibmaschine, die Frau Köhler von Prag Live kurzfristig zur Verfügung gestellt hatte, und echtes Dosenbier, das sich Schnabl zu Beginn der Veranstaltung genehmigte, um zu verdeutlichen, wie es in Böhmen beim Bier zugeht und dass so eine heiser geschriene Kneipe in vielem eine „richtige“ Universität ersetzt, da in ihr – spätestens nach dem zweiten Bier, das man trinkt, viele Antworten mehr gegeben würden. Antworten, die es in Kafkas Literatur ja weniger gibt als Fragen und trotzdem könne man über Kafka manchmal auch lachen.

Die Schreibmaschine und andere "Bühnenrequisiten"

Die Schreibmaschine und andere „Bühnenrequisiten“

Karl und Schnabl bewiesen sich als gut aufeinander eingespieltes Duo und wir hörten ihnen konzentriert zu, tauchten mit ihnen ein in die böhmische Kultur, die durch zahlreiche Erläuterungen am Rande noch lebendiger wurde.
„Noch viel mehr lebendiger“ wurde es nach der Veranstaltung, als wir gemeinsam herumunkten, dass man den sehr schmalen benachbarten Katalograum – eifrige Benutzer der Zentralbibliothek werden ihn kennen – für eine der nächsten Veranstaltungen mit dem Leseduo nutzen könnte.

Das Veranstalterduo: Ines Köhler von Prag Live und Thomas Krumpholz aus der Zentralbibliothek

Das Veranstalterduo: Ines Köhler von Prag Live und Thomas Krumpholz aus der Zentralbibliothek

Und „Kafka im Katalograum“ – so der Arbeitstitel – wäre dann um eine Attraktion reicher, wenn die Künstler ein riesiges Bierfass an der Stirn des schmalen Raumes aufstellten, aus dem sie immer wieder zwischendurch Bier zapften und dies in wuchtigen Krügen durch die vielleicht insgesamt zwei Stuhlreihen rechts und links vor den Katalogkästen reichten. Richtig kafkaesk…wir werden daher sehen, ob wir es jemals so in die Realität umgesetzt bekommen….

Uwe Nüstedt


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