Channah Trzebiner: Die Enkelin – Beeindruckende Lesung mit Musik in der Musikbibliothek im Rahmen der Reihe „Kein Raum für rechtes Gedankengut“

6 06 2013

Foto2aMit der fünften Veranstaltung der Reihe „Kein Raum für rechtes Gedankengut“ hatte gestern Abend ein kleines, aber erlesenes Publikum die Gelegenheit, in der Musikbibliothek eine sehr beeindruckende Lesung aus Channah Trzebiners „Die Enkelin“ zu erleben, vorgetragen von Gerd Voigt (Braunschweig) und einfühlsam am Klavier begleitet von Géza Gál (Braunschweig).

Trzebiner erzählt in ihren autobiographischen Aufzeichnungen von ihrem zerrissenen Lebensgefühl, das einerseits geprägt ist von einer sehr engen, liebevollen Beziehung zu ihrer Familie und andererseits von den die gesamte Familie überschattenden Erinnerungen ihrer Großeltern, die als Holocaust-Überlebende schwersten Übergriffen seitens der Nazis ausgesetzt waren.

Spätestens seit Lily Brett weiß man, in welchem Ausmaß sich die Traumata von Holocaust-Opfern auf ihre Kinder übertragen. Seit Channah Trzebiner weiß man nun, daß auch die dritte Generation noch weit davon entfernt ist, ein von der Vergangenheit unbelastetes Leben zu führen.

Wieviel einfacher haben es da die Kinder und Enkel der nicht-jüdischen Deutschen, die grundsätzlich schon einmal das Glück des Nachgeborenseins genießen dürfen. Sie brauchen sich für die Schuld ihrer Eltern und Großeltern nicht zu verantworten, das ist unstrittig. Und sie können sich zudem darauf berufen, daß „die“ Deutschen ihre Vergangenheit vorbildlich aufgearbeitet haben. Und deshalb hätten es manche sogar am liebsten, wenn man endlich ein für alle Male einen Strich unter dieses unschöne Kapitel ihrer Geschichte ziehen würde. Warum nur können die Opfer nicht so schnell vergessen wie die Täter? Die Nachfahren der Opfer sind persönlich doch genauso wenig betroffen wie die unschuldigen Nachfahren der Täter…

Ich wünsche mir Channah Trzebiners „Die Enkelin“ als Pflichtlektüre für jeden Deutschen.

Das Buch befindet sich selbstverständlich im Bestand der Stadtbibliothek und ist entleihbar.

Judith Slembeck


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